Gesellschaft für Geschichte des Weines

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Gümbel, Joseph (1877 – 1925)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Joseph GÜMBEL, Weingroßhändler

* 21.7.1877 in Bingen
† 4.12.1925 in Bingen
Vater: Elias (Eduard) Gümbel, Weingroßhändler (*17.6.1840 in Albisheim, † 18.2.1902 in Bingen)
Mutter: Bertha Wilhelmine, geborene Hertz (*24.8.1853 in Walburg, † 18.4.1932 in Bingen)
⚭ Elisabeth, geborene Gausche, geschiedene Hilsdorf (1875 – 1944), 3 Söhne, 1 Tochter

 

Joseph Gümbel übernahm nach dem Tod seines Vaters Elias zusammen mit seinem Bruder Gustav den väterlichen Anteil an der Weingroßhandlung Feist & Reinach, Bingen. Elias Gümbel hatte diesen Anteil von Kommerzienrat Reinach übernommen, der nach seinem Ausscheiden in Mainz andere Geschäfts­­-
ak­tivitäten verfolgte.

Feist & Reinach zählte nach dem Ersten Weltkrieg, wie auch die Weinhandlung Seligmann Simon (später Nathan Fromm), zu den größten Weinhandlungen in Bingen. J. G. (sein Bruder Gustav war 1920 ausgeschieden) und Mitgesellschafter Dr. Paul Feist bauten Feist & Reinach energisch aus und errichteten in der Martinstraße eine der größten Binger Kellereien. Feist & Reinach übernahm zudem die Weinhandlung Bronner & Heuss Nachf. in Wiesloch.

Auch die renommierte Weinkellerei der Witwe von Joseph Augstein, dem Großvater des Spiegel-Herausgebers Rudolf Augstein, wurde übernommen. Die bereits große Weinkellerei mit Fasskellern von insgesamt 200 m wurde 1921 durch ein neues Gebäude ersetzt, das von den bekannten Darmstädter Architekten Markwort und Seibert geplant wurde. Um dieselbe Zeit entwarfen diese Architekten ein ähnlich imposantes Gebäude für Bronner & Heuss Nachf.

J. G. war als einer der besten Kenner der in- und ausländischen Weinmärkte bekannt und wurde zu den führenden deutschen Weinfachleuten gezählt. Er engagierte sich als Vorsitzender des bedeutenden Weinhändlerverbandes in Bingen für die gesamte deutsche Weinwirtschaft, indem er die Zusammenarbeit mit den Weinerzeugern pflegte. Er war zutiefst überzeugt, dass Weinbau und Weinhandel eng zusammenarbeiten müssen, um gegenüber den ausländischen Konkurrenten gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise bestehen zu können. 

Sein Sachverstand wurde auch in der Politik sehr geschätzt, deshalb wurde er von der Reichsregierung als Sachverständiger in ein kleines Beratungsgremium für die Handelsvertragsberatungen des Deutschen Reiches mit Frankreich berufen. Bei Fraktionsberatungen des Reichstages in Berlin setzte er sich insbesondere ein für die Beseitigung der Wein- und Getränkesteuern, für die Reblausbekämpfung und die Rekonstruktion der Weinberge mit resistenten amerikanischen Unterlagsreben.

J. G. bildete als geschätzter Weinexperte, wie schon sein Vater, zahlreiche später bekannte Weinfachleute aus. Hierzu gehörten unter anderem Max und Alfred Fromm sowie Otto E. Meyer, die nach ihrer Emigration in die USA dort führende Rollen im Wiederaufbau des Weingeschäfts nach der Prohibition spielten.

 

Quellen:

  • Dr. Karl Müller (Herausgeber) Weinbau Lexikon, Verlagsbuchhandlung Paul Parey Berlin, 1930, S. 310 und S. 946 – 947.
  • Anonym: Zu den Handelsvertragsverhandlungen. In: DWZ 1924, S. 847
  • Müller: Nachruf Josef Gümbel. In: Der Deutsche Weinbau 1925, S. 568. 
  • Anonym: Firmen- und Personalnachrichten. DWZ 1925, S. 798.
  • Festschrift Feist & Reinach 1913.
  • Peter Merseburger Rudolf Augstein, Biographie, Deutsche Verlags-Anstalt München, 2007, ISBN: 978-3-421-05852-2.
  • Hans-Josef von Eyss, Geschichte der Juden in Bingen von den Anfängen bis 1914, 3. Auflage 2021, Arbeitskreis jüdisches Bingen, ISBN: 978-3-935516-89-1.
  • Hans-Josef von Eyss, Geschichte der Juden in Bingen-Teil II- die Zwanziger Jahre (1914 – 1933), 1. Auflage 2023, Arbeitskreis jüdisches Bingen, ISBN: 978-3-9454676-80-6.

Helmuth Gümbel, Mai 2026

Reitz, Leopold (1889 – 1972)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Leopold REITZ, Lehrer, Schriftsteller

* 24.06.1889 in Böbingen/Pfalz
† 19.08.1972 in Neustadt a.d.W.

 

Wichtige biographische Daten:

  • Sohn einer Winzerfamilie; verheiratet seit 1917, Sohn und Tochter
  • Lehrer seit 1907; ab 1.7.1921 in Neustadt an der Haardt (später Neustadt an der Weinstraße), dort Hauptlehrer
  • Vorsitzender des Literarischen Vereins der Pfalz von 1929 – 1933
  • Entnazifizierung I 1946; Entlassung aus dem Schuldienst; Entnazifizierung II 1949; Einstufung als Mitläufer; Rückkehr in den Schuldienst
  • Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 24.06.1959 (zum 70. Geburtstag)
  • Weitere Ehrungen: Pfalzpreis für Literatur (1963); Goldene Bürgermedaille der Stadt Neustadt an der Weinstraße (1966); Deutscher Weinkulturpreis mit der Goldenen Traube (1969)

Leopold Reitz machte sich als Heimatdichter einen Namen und wurde zu einer lokalen literarischen Größe als gefeierter Redner und Weininterpret. Er schrieb zahlreiche heimatkundliche Werke, Festspiele zum Deutschen Weinlesefest in Neustadt a.d.W. und Hörfolgen zum Thema Wein für den Rundfunk. Dazu Dutzende Artikel in Zeitungen oder literarischen Zeitschriften. Praktisch alle spielten in seiner näheren und weiteren Heimat und beschäftigten sich viel mit Wein und lokalen Ereignissen. 

R. durchlebte vier völlig unterschiedliche politische Systeme. Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittes Reich und die parlamentarische Demokratie nach dem 2. Weltkrieg. Er machte im 3. Reich Karriere. In der SA seit 1934 brachte er es zum Truppführer. NSDAP-Mitglied wurde er 1937, als die SA-Männer „aufgefordert“ wurden, in die Partei einzutreten. Dazu war er Ortsgruppenleiter im „Kampfbund für deutsche Kultur in der Westmark“ und ab April 1943 Städtischer Kulturreferent von Neustadt als „Ehrenbeamter“.

Seine Entnazifizierung endete nach Widerspruch 1949 mit der Einstufung als Mitläufer. 1954 war er Mitbegründer der Weinbruderschaft der Pfalz, ihr Ordensmeister bis 1972. Nach dem Krieg wurden von ihm mehr als 75 Texte in verschiedenen Zeitschriften bekannt, vielfach mit Wein als Thema.

 

Veröffentlichungen/Bücher:

  • Der Weinpfarrer von Wachenheim, 1938. − Das Weinstraßenbuch, 1960. − Pfälzische Weinkantate, 1955. − Deutsche Weinkantate, 1957. „Geschichten vom Kindelsbrunnen“, der „Schelm Schinderhannes“ oder „Der Jäger aus Kurpfalz“

 

Literatur:

  • Haß, Ulrike: Vom „Aufstand der Landschaft gegen Berlin“. In: Weyergraf, Bernhard: Literatur der Weimarer Republik 1918 – 1933. München 1995. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur. Bd. 8. S. 340 – 370.
  • Ketelsen, Uwe-Karsten: Völkisch-nationale und nationalsozialistische Literatur in Deutschland 1890 – 1945. Karl Otto Conrady zum 50. Geburtstag am 21. Februar 1976. Stuttgart 1976.
  • O.A.: Umbenennungen. Leopold-Reitz-Weg. https://www.gedenkstaette-neustadt.de/umbenennung/leopold-reitz-weg. Aufgerufen am 06.05.2026. 
  • Raasch, Markus: Reitz, Leopold. https://neustadt-und-nationalsozialismus.uni-mainz.de/lexikon/reitz-leopold. Aufgerufen am 11.04.2026. 
  • Schumann, Fritz: Reitz, Leopold. In: Claus, Paul und Mitarbeiter (Hrsg.): Persönlichkeiten der Weinkultur Deutscher Sprache und Herkunft. Wiesbaden 1991. Schriften zur Weingeschichte Nr. 100.

Jochen Hamatschek, Landau, Mai 2026 

Matuschka-Greiffenclau, Guido Graf von (1847 – 1924)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Guido Maria GRAF von MATUSCHKA, Reichsfreiherr von Greiffenclau zu Vollrads, Freiherr von Toppolczan und Spaetgen, gen. Graf Matuschka-Greiffenclau, Jurist und Weingutsbesitzer.

* 7. Mai 1847 in Hirschberg, heute Jelenia Góra (Polen)
† 11. September 1924 in Heilbronn
Vater: Hugo* Julius Franz Gustav Arthur Graf von Matuschka-Greiffenclau, Matuschka Freiherr von Greiffenclau, Freiherr von Toppolczan und Spaetgen (1822 – 1898), Königlich-Preußischer Kammerherr, Schlosshauptmann in Wiesbaden.
Mutter: Johanna Ottilie Antonie Eleonore Sofie* Reichsfreiin von Greiffenclau-Vollrads (1824 – 1909)
⚭ 2. August 1892 mit Clara Freiin von Oppenheim-Ramersdorf (1870 – 1959)

Kinder:
Richard (1893 – 1975) 
Karl (1895 – 1915), gefallen bei Krasnostaw, Polen
Liane (1896 – 1937) ⚭ 1923 mit Ludwig Freiherr von Flotow
Clara (1902 – 1993), ⚭ 1927 mit Paul Baron Kirsch-Puricelli, Dr. rer. pol., Montanunternehmer

 

Nachdem M. In den ersten Jahren Privatunterricht erhalten hatte, besuchte er zuerst das Pädagogium in Halle an der Saale und danach das Gymnasium in Koblenz, wo er 1866 die Reifeprüfung ablegte. Ab Herbst studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn und Berlin, was von einem einjährigen freiwilligen Militärdienst beim Königs-Husaren-Regiment unterbrochen wurde, 1869 wurde er Sekondeleutnant der Reserve.

Am 23.04.1870 legte er sein Referendarexamen ab und wurde am 14.05.1870 Gerichtsreferendar am Appellationsgericht Wiesbaden; daneben war er auch am Kreisgericht Wiesbaden tätig.

1870/71 nahm er als Leutnant d. R. des ersten Rheinischen Husarenregiments Nr. 7 am Frankreichfeldzug teil und wurde bei St. Quentin verwundet. 1877 legte er seine 2. Staatsprüfung ab und war in verschiedenen Verwaltungen in Kassel und Gelnhausen tätig. 1879 wurde er zum Landrat des Kreises Wiesbaden gewählt. 1894 wurde er Polizeidirektor von Aachen und ein Jahr später 1895 Polizeipräsident. Ende 1897 wurde er aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt und am 01.07.1898 in den Ruhestand verabschiedet.

M. wurde Fideikommissbesitzer des Gutes Vollrads, dessen Weingut er verwaltete und wo er seinen Lebensabend verbrachte. Durch das vorgezogene Erbe seiner Frau konnte Schloss Vollrads grundlegend renoviert und ausgebaut und der Weinbau des Gutes weiterentwickelt werden. […] mit unendlicher Liebe, Pietät und einem ausgeprägten Verständnis für alle ästhetischen und historischen Werte des Baues hat der feinsinnige Graf Matuschka-Greiffenklau unter tatkräftiger künstlerischer Unterstützung seiner vielseitig gebildeten Gattin aus den Trümmern alter Herrlichkeit einen höchst feudalen und würdigen Herrensitz erstehen lassen (Rheingauer Weinzeitung 1912, Seite 229 – 230). Er legte den Grundstein, dass Schloss Vollrads zu einem der bekanntesten Prädikatsweingüter Deutschlands wurde.

M. engagierte sich auch in vielfältiger Weise für den Berufsstand. So initiierte er 1903, insbesondere wegen der Reblausgefahr, eine „Vereinigung zur Bekämpfung aller Rebschädlinge“. Er war Mitglied der Kommission, die deutsche Beteiligung an Weltausstellungen (z. B. 1904 St. Louis) organisierte. Auf der Weltausstellung 1910 in Brüssel erhielt sein Weingut einen „Grand Prix“. Über mehrere Jahre vertrat er den Rheingauer Weinbau bei Sitzungen und Versammlungen des Deutschen Weinbauvereins, dessen Vizepräsident er von 1907 – 1911 war. 1909 war er Gründungsmitglied des Rheingauer Weinbauvereins und wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt. Regelmäßig nahm er an Deutschen Weinbaukongressen teil, zuletzt 1924 in Heilbronn, wo er am ersten Kongresstag verstarb. 

 

Ehrungen

Zahlreiche Orden und Ehrungen darunter:

  • Großkomtur ad hon. des bayerischen St. Georg-Ordens
  • Königlich-Preußischer Kronorden II. Klasse
  • Eisernes Kreuz 
  • Kriegsmedaille 1870/71
  • Ehrenmitglied des Deutschen Weinbauverbandes

 

Quellen:

  • Horst Romeyk: Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816 – 1945 (= Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde. Band 69). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-7585-4, S. 623.
  • Kösener Korpslisten 1910, 19, 457.
  • Matuschka Freiherr von Greiffenclau, Freiherr von Toppolczan und Spaetgen, Rudolf Matthias Gustav Julius Maria Guido Graf von. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). In: https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/4797_matuschka-freiherr-von-greiffenclau-freiherr-von-toppolczan-und-spaetgen-rudolf-matthias-gustav-julius-maria-guido-graf-von. Letztmals aufgerufen am 21.04.2026
  • Baumann, K.-H., Schloss Vollrads. Persönliche Mitteilungen.
  • Rheingauer Weinzeitung, Jahrgänge 1903 – 1924.
  • Berichte über Deutsche Weinbaukongresse in den Jahren 1907 – 1924.
  • Mitteilungen des Deutschen Weinbau-Vereins 1907. 

Dr. Ernst Rühl, Geisenheim und Dr. Rudolf Nickenig, Remagen, April 2026

 

Haselier, Heinz (1909 – 1961)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Heinz (Heinrich Egidius) HASELIER – Weinauktionator und Verbands­geschäftsführer

* 01.08.1909 in Mönchengladbach
† 03.03.1961 in Corvara/Alta Badia Italien
Vater: Peter Josef Haselier
Mutter: Margarete Degens
1940: Ehe mit Eva Juliane Ottilie Ernestine Laura Witzell
Söhne: Horst Rüdiger *1941 und Klaus, *1945 Tochter Ute Maria *1949

 

Heinz Haselier studierte BWL/VWL in Köln. Er war Mitglied der Akademischen Turnverbindung Markomannia Köln. Nach einer kurzen Zeit in Berlin wurde er Soldat und geriet nach dem Krieg kurz in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1946 zog er mit seiner Familie nach Eltville um. Hier übernahm er die Geschäftsführung der Vereinigung Rheingauer Weingüter e. V., die er bis zu seinem frühen Tod innehatte, und war bis 1953 auch Geschäftsführer des Rheingauer Weinbauvereins sowie kommissarischer Leiter der Rheingauer Weinwerbung. H. führte neben diesen Tätigkeiten mehrere Handelsvertretungen für Dünger sowie Weinbergsdraht und Korken.

Kurz vor dem Krieg „hatte der großdeutsche Abstinenzler die traditionellen Weinversteigerungen aufhören lassen.“ Die Besatzungsmächte hatten Weinvorräte beschlagnahmt und gaben sie schrittweise frei. Als die traditionsreichen Rheingauer Weinversteigerungen 1949 wieder aufgenommen wurden, nahm der hochgewachsene „Riese“ H. den Hammer in die Hand und leitete diese Verkaufsveranstaltungen mit „kölschem Humor“, großer Umsicht und mit Einfühlungsvermögen. Der Wiederaufstieg der einstmals populären Verkaufsveranstaltungen nach dem Krieg ist wesentlich ihm zu verdanken. Er übernahm auch Versteigerungen in den Weinbaugebieten Pfalz, Rheinhessen und Nahe. Nicht zu Unrecht nannte die Presse Haselier den „ungekrönten Versteigerungskönig“ und „Bundessteiglasser“. 

Kurz vor den anstehenden Frühjahrsversteigerungen starb er nach einem Skiunfall im März 1961. Eberhard von Oetinger sprang kurzfristig für ihn ein und leitete die Versteigerungen dann bis 1994.

 

Quellen:

  • Mündliche und schriftliche Mitteilungen der Tochter von Heinz Haselier, Ute Derstroff-Haselier, sowie von ihr gesammelte Zeitungsausschnitte
  • „Die Steuern abtrinken“ in: DER SPIEGEL vom 2. Juni 1949, S. 24f
  • „Da leg‘ ich meinen Hammer hin...“ Nachruf von Gerhart Grothus, Wiesbadener Kurier (Kopie ohne Datum)
  • Germans hopeful on Vineyard Crop. The New York Times Nov. 3, 158
  • Rüdesheimer Weine – stark gefragt, gut bezahlt. In: Rheingauer Weinzeitung (1949), S. 61
  • Der Rheingau – Der Weingau – Weinwerbung. In: Rheingauer Weinzeitung (1949). Ausgabe vom 1. August 1949, S. 4 

Leo Gros, Geisenheim, Mai 2026

Kraus, Vilém (1924 – 2013)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Friedrich Wilhelm Dünkelberg

Vilem KRAUS, Prof. Ing. Rebenphysiologe und Rebenzüchter  
* 30. Mai 1924 in Prag, Tschechien
† 7. Juni 2013 in Lednice, Tschechien

 

Vilém Kraus wurde am 30. Mai 1924 in Prag geboren. Im Jahr 1929 zogen seine Eltern nach Louny, wo er zuerst die Volksschule und danach das örtliche Realgymnasium besuchte. Nach der fünften Klasse des Gymnasiums schickten ihn seine Eltern in die Höhere Schule für Obst-, Wein- und Gartenbau in Mělník. Im Jahr 1949 begann er ein Studium an der Fakultät für Land- und Forstwirtschaft der Tschechischen Technischen Universität in Prag und wechselte nach dem ersten Staatsexamen an die Gartenbau- und Weinbaufakultät der Landwirtschaftlichen Hochschule in Brno. Bereits in seiner Diplomarbeit „Möglichkeiten der Hocherziehung in unseren Weinbaugebieten“ ging es um weinbautechnische und physiologische Fragen und die Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Traubenproduktion. Diese Themen sollten ihn sein ganzes Leben begleiten. Der Kontakt zur Praxis und Forschung für die Praxis war ihm sehr wichtig. Von 1955 bis 1964 arbeitete er an der Zuchtstation in Velke Zernoseky. 1960 reichte er seine Dissertation über „Die Historische Entwicklung des Nordböhmischen Weinbaugebiets und Rekonstruktionsvoraussetzungen“ an der Universität Brno ein und wurde promoviert. Von 1964 bis 1991 war er Leiter des Instituts für Weinbau an der Gartenbauliche Fakultät der Universität Brno in Lednice.

In Tschechien ist K. vor allem wegen seiner physiologischen Arbeiten und seiner ganzheitliche Sicht der Produktion bekannt. Dazu gehören auch von ihm gezüchtete Peronospora- und Oidium-tolerante Sorten, wie Neronet und Rubinet und die Unterlagssorte K-1. Neben Pilzresistenzen aus amerikanischen Wildformen, wie sie in der deutschen und französischen Rebenzüchtung zu der Zeit üblich waren, benutzte er bei seinen Kreuzungen auch Peronospora-Resistenzen aus der asiatischen Wildform Vitis amurensis, zu denen er durch Kontakte mit russischen Kollegen Zugang hatte. Aus einer von K. 1964 durchgeführten Kreuzung von Zarya Severa (Vitis amurensis Abkömmling) und St. Laurent selektierte Prof. Helmut Becker, aus ihm überlassenen Kernen, in Geisenheim die Sorte Rondo. Der Pollen weiterer V. amurensis-Abkömmlinge aus den Zuchtquartieren von Helmut Becker wurde von Norbert Becker am Weinbauinstitut Freiburg für Kreuzungen weiterverwendet. Hieraus entstanden Freiburger Sorten wie Bronner oder Solaris.  So wurde durch K. Erbgut der Peronospora-resistenter asiatischer Wildformen in die Rebenzüchtung in Freiburg und Geisenheim eingeführt, was zu einer deutlichen Steigerung der Peronospora-Resistenz dieser Zuchtstämme führte. Im Gegenzug wurden auch Geisenheimer Sorten durch K.s Wirken in Tschechien getestet. So auch der Zuchtstamm Gm 322 58, der wegen seiner guten Weinqualität (Sauvignon blanc-Aromen) und hohen Winterfrosttoleranz in Tschechien zu den wichtigen neuen Peronospora-toleranten Sorten gehört. Wegen der hohen Frostresistenz erhielt sie dort den Namen Hibernal. K. ist auch deshalb in Deutschland bekannt, weil er hervorragend Deutsch sprach und schrieb. Bis ins hohe Alter führte er im großen Garten hinter seinem Haus in Lednice Kreuzungen durch und zog Sämlinge auf. 

Das wichtigste Anliegen von K. war die Verbesserung der Situation des Weinbaus in Tschechien. K. hat an zahlreichen Büchern und Filmen mitgearbeitet und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine wissenschaftlichen Arbeiten. 

Ehrungen: 

  • Goldmedaille der Mendel-Universität für Land- und Forstwirtschaft, Brno
  • Silbermedaille der Masaryk-Universität
  • Gedenkmedaille des Internationalen Büros für Rebe und Wein O. I. V. in Paris
  • Gedenkmedaille für sein Lebenswerk für den Weinbau in der Tschechischen Republik 

 

Rebsorten:

  • Rubinet
  • Neronet
  • Unterlage K-1

 

Quellen: 

  • SVOBODA, Jaroslav. Dnes by oslavil 98. narozeniny Vilém Kraus, jeden z největších českých vinařů. Náš region. [Heute wäre der 98. Geburtstag von
    Vilém Kraus gewesen, einem der größten tschechischen Winzer. Unsere Region.]
    [online]. 30.05.2022. 
  • https://www.rebeundwein.de/aktuelles/news/article-3934650-198999/prof-vilem-kraus-verstorben-.html
  • https://brnodaily.com/2024/08/16/science/mendelu-faculty-of-horticulture-commemorates-life-and-work-of-professor-vilem-kraus/
  • Persönliche Kontakte und Informationen von Fachkollegen

Bildquelle: © hs-gm

Autor: Ernst Rühl, Geisenheim, Oktober 2025

Thomann, Wolfgang (1948 – 2019)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Friedrich Wilhelm Dünkelberg

Dr. Wolfgang THOMANN, Weinpublizist
* 29. Juni 1948 in Tittmoning (Lkr. Traunstein)
† 27. Oktober 2019 in Winnenden

 

Wolfgang Thomann war Diplom-Mathematiker. Er wurde 1979 an der Technischen Universität Dresden mit einer Arbeit über die Programmierung von elektronischen Taschenrechnern promoviert. 1986 konnte er nach einem lang gestellten Ausreiseantrag die damalige DDR verlassen und fand in der Bundesrepublik eine Anstellung in der Datenverarbeitung der Eckes-Granini GmbH in Nieder-Olm.

Bereits in der Zeit der DDR wurde T. 1979 an der Volkshochschule Dresden Dozent für Weinthemen. Aus dem in diesem Zusammenhang entstandenen Kreis von Weinfreunden, der sich, da in der DDR private Vereinsgründungen nicht möglich waren, 1983 als Freundeskreis innerhalb des Kulturbundes der DDR etablierte, ging später der Erste Sächsische Weinkonvent e. V. (1990 – 2025) hervor.

Nach der Gründung der Deutschen Wein- und Sommelierschule des Gastronomischen Bildungszentrums Koblenz im Jahre 1996 unterrichtete T. dort. Seine thematischen Schwerpunkte waren die Ampelographie, speziell der pilzresistenten Sorten, und der Weinbau Mittel-, Süd- und Ost-Europas. Die dortigen Weinbaugegenden kannte er zu seiner Zeit wie kein anderer. Sie zu bereisen hatte er bereits in der Zeit des Sozialismus begonnen.

T. war Autor von Band 11 „Elbe/Saale-Unstrut“ des „Gesamtwerk deutscher Wein“ (Trittenheim 1991) und Mitherausgeber umfangreicher Nachschlagewerke wie dem „Europäischen Wein-Almanach“ (1990) und dem „Welt-Wein-Almanach“ (1992) sowie Mitarbeiter bei „Der Brockhaus Wein“ (Braunschweig 2005, 2. Aufl. Mannheim – Leipzig 2009), wo T. jeweils für die osteuropäischen Länder verantwortlich zeichnete. Er verfasste die Weinkapitel über die Ukraine, Georgien, Armenien und Aserbaidschan in der umfangreichen Dokumentation „Culinaria Russia“ (Potsdam 2006) und zahlreiche Beiträge in Fach- und Publikumszeitschriften zum Wein an Saale-Unstrut, an der Elbe, im ehemaligen Böhmen, in Slowenien, Polen und Rumänien. Hervorzuheben sind auch Beiträge zur Weinetikettenkunde der ehemals sozialistischen bzw. osteuropäischen Länder, die von 2006 bis 2008 in der Verbraucherzeitschrift „selection“ erschienen. 

T. war Gründungsmitglied des Verbands deutschsprachiger Weinpublizisten „Weinfeder“ und Mitglied in der Fédération Internationale des Journalistes et Écrivains des Vins et Spiritueux (FIJEV). Von 2013 bis zu seinem Tod war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats und von 2016 an des Vorstands der Gesellschaft für Geschichte des Weines e. V.

Seine Veröffentlichungen sind für die Geschichte des Weinbaus und der Weinwirtschaft in den ehemaligen sozialistischen Staaten vor und in der Zeit des Übergangs zur Marktwirtschaft von bleibendem historischen Wert. Die von ihm gesammelte Spezialliteratur zu diesem Bereich ist als Stiftung in die Bibliothek der Gesellschaft innerhalb des Bibliotheksbestands der Hochschule Geisenheim gekommen.

 

Quellen:

  • Nachruf Dr. Wolfgang Thomann, in: Gesellschaft für Geschichte des Weines e. V. Mitteilung 3/2019, S. 3f.
  • https://www.stadtwikidd.de/wiki/Erster_S%C3%A4chsischer_Weinkonvent (eingesehen 27.08.2025)
  •  

Veröffentlichungen (in Auswahl):

  • Beiträge zur Programmierung und Architektur von elektronischen Taschenrechnern, Dresden, Techn. Univ. Diss.  1979
  • [zusammen mit Rudolf Steurer] Europäischer Wein-Almanach. Das umfassende Nachschlagewerk zu den Weinen Europas: Weinsorten, Klassifikation, Anbaugebiete, Weinwirtschaft, Etiketten-Ansprache, Jahrgänge und Lagerfähigkeit, Wien – Frankfurt – Berlin 1990
  • [zusammen mit Rudolf Steurer und Josef Schuller] Welt-Wein-Almanach, Wien – München – Zürich 1992, 2. Aufl. Bindlach 1997

 

Bildquelle: Adolf Suchy

Autor: Hans Reinhard Seeliger, Düsseldorf, August 2025

Köble, Otto (1937 – 2016)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Friedrich Wilhelm Dünkelberg

Otto KÖBLE, Diplomlandwirt, Abteilungsleiter (MinDirig a.D.)
* 23.04.1937 in Stuttgart
† 05.02.2016 in Bonn
⚭ Elisabeth Köble, geb. Stohr (1936 – 2023), 4 Kinder

 

Otto Köble wurde 1937 in Stuttgart geboren, wuchs in Talheim, Kreis Heilbronn, auf und besuchte dort in den Kriegsjahren die Volksschule und ab 1947 die Oberschule in Heilbronn. 1951 begann er eine Weinbaulehre an der Staatlichen Rebveredlungsanstalt in Lauffen am Neckar. Im Anschluss ging er zur Weinbauschule in Weinsberg. 1955 wurde der junge Winzer erfolgreicher Sieger im Berufswettkampf auf Bundesebene in der Sparte Weinbau. Erste berufliche Erfahrungen im Weinbau erzielte er als Verwalter bei der Freih. von Schorlemer´schen Gutsverwaltung in Lieser und beim Weingut E. Hinkel in Framersheim. Daran im Anschluss besuchte er die Höhere Weinbauschule in Bad Kreuznach. Mit dem Abschluss war die allgemeine Hochschulreife und die pädagogische Eignung für die Ausbildung von Lehrlingen verbunden. Von 1959 bis 1962 studierte er Agrarwissenschaften an der Universität Bonn. Nach dem Diplomexamen wurde er Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel-Saar-Ruwer e. V. und ab Gründung auch der Weinwerbung Mosel-Saar-Ruwer e. V.

Im Jahre 1965 wechselte K. ins Referat Wein-, Branntwein-, Hopfen-, Mineralwasser- und Teewirtschaft im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bonn, in dessen Diensten er 20 Jahre blieb. In Gremien der Europäischen Gemeinschaften wurde er zum Sprecher der deutschen Delegation in der Arbeitsgruppe „Wein“ beim Ministerrat und im Verwaltungsausschuss „Wein“ bei der Kommission. Damit war er mit der Ausarbeitung des europäischen Weinrechts befasst. So hat er z. B. Bundeskanzler Helmut Kohl beim EU-Gipfel 1982 in Dublin fachlich beraten. Die Dubliner-Beschlüsse zur Umsetzung einer Hektarertragsregelung in Deutschland sollten ihn sein weiteres Berufsleben begleiten.

In der Landesregierung von Rheinland-Pfalz wurden nach dem sogenannten Glykolwein-Skandal von 1985 organisatorische und personelle Konsequenzen gezogen. So kam es, dass K. unter Weinbauminister Dieter Ziegler zum Abteilungsleiter Weinbau im Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten berufen wurde. Zu den ersten Aufgaben der Landespolitik zählte es, das Vertrauen am Weinmarkt im In- und Ausland wiederherzustellen und damit die aufziehende Krise im rheinland-pfälzischen Weinbau abzuwenden. Als Abteilungsleiter war K. mit unterschiedlichen weinbaupolitischen Themen in der Landesregierung befasst.

Nachdem der Leiter der Abteilung Landwirtschaft im MWVLW in den Ruhestand verabschiedet wurde, wurden die Abteilungen Landwirtschaft und Weinbau zusammengeführt. Die Leitung der neuen Abteilung wurde ab dem 15.07.1997 K. übertragen. Derartige Änderungen in der Organisation stellen an die Führungskräfte hohe Anforderungen. Einfühlungsvermögen und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren gefragt. Die räumliche Trennung der Dienstgebäude erschwerte die Führung der Mitarbeiter und Synergieeffekte sowie der erkennbare Nutzen waren gering. Die zusätzliche Arbeitsbelastung hat K. mit dem ihm eigenen Verständnis von Pflichterfüllung gemeistert.

Von 1987 bis 2001 war K. Vorsitzender des Forschungsrings des Deutschen Weinbaus (FDW) bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Der Forschungsring koordiniert die angewandte Forschung in allen Bereichen der Weinwirtschaft, insbesondere der weinbautreibenden Bundesländer mit ihren Versuchs- und Forschungseinrichtungen. Ziel des FDW ist eine abgestimmte Umsetzung der Forschungsfinanzierung der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Für seine Verdienste im Forschungsring wurde K. 2001 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seine Stimme hatte aufgrund seiner ruhigen Art, seiner Erfahrung und seinem Realitätssinn Gewicht. Ferner durfte er in zahlreichen Gremien des nationalen und internationalen Weinbaus und der Weinwirtschaft mitwirken.

Seinen Ruhestand verbrachte K. mit seiner Frau Elisabeth in Bonn. Sie nutzten die gemeinsame Zeit für umfangreiche Reisen in der Welt.

 

Quellen: 

  • Mitteilungen der Familie

 

Bildquelle: Privat

Autoren:
Johannes Büchel, Mainz
Friedhelm Leimbrock, Mülheim an der Mosel
August 2025

Hellrung, Carl Ludwig (1794 – 1851)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Friedrich Wilhelm Dünkelberg

Carl Ludwig HELLRUNG – Weinschriftsteller und Kartograph
* 20. Februar 1794 in Duderstadt
† 6. Januar 1851 in Duderstadt 
Vater: Georg David Hellrung
Mutter: Maria Anna, geborene Keseling
⚭ (unbekannt)

 

Carl Ludwig Hellrung wurde vermutlich am 20. Februar 1794 in Duderstadt geboren, das bisher angegebene Datum, der 21. Februar, war der Tag seiner Taufe. Er besuchte eine weiterführende Schule und schloss sein Studium mit dem Doktorgrad in Philosophie (Dr. phil.) ab. Im Dritten Infanterieregiment der Elblandwehr nahm er an den Befreiungskriegen teil und bekleidete in den Schlachten von Ligny und Wavre bei Waterloo den Rang eines Hauptmanns.

Ab den 1830er-Jahren veröffentlichte H. neben lokalgeschichtlichen Studien auch politische und militärische Schriften. Er trat als überzeugter Befürworter einer deutschen Einigung unter preußischer Vorherrschaft auf. Ab 1837 wandte er sich dem Thema Wein zu – ein Interesse, das sich auch in seinem Pseudonym Boisvin widerspiegelte.

Zwischen 1837 und 1839 veröffentlichte H. den Atlas der vorzüglichsten Weinländer in Europa. Auf 24 Blättern im Format 38,5 × 49,5 cm umrahmt ein erläuternder Text in deutscher Sprache eine zentrale topografische Karte, eingefasst von Spalten mit einer Klassifikation. H. griff dabei auf Text und Klassifizierung der berühmten Topographie de tous les vignobles connus von André Jullien zurück. Die Herkunft der kartografischen Vorlage ist unbekannt. Die Darstellung als Serie erlaubte einen größeren Maßstab und die detaillierte Individualisierung bedeutender Einzellagen in den jeweiligen Weinbaugebieten. Diese Karten sind die frühesten bekannten Weinbaukarten, die eine qualitative Hierarchisierung der regionalen Weinproduktion visuell darstellen: Orts- und Lagennamen wurden – vermutlich von Hand – in fünf verschiedenen Farben unterstrichen.

Mit der Karte der Weinbaugebiete der Mitgliedstaaten des Zollvereins von 1846 verband H. Weinbau und Politik auf einer topografischen Karte. 

Trotz profunder Kenntnisse der französischen Sprache und der franzö­sischen Weinkultur – unter Beweis gestellt etwa in einer Monografie über den Champagner – war H. kein Bewunderer Frankreichs. Seine Veröffentlichung Die Schlacht der Weine bei Château Hougomont von 1840 verknüpfte sein Interesse an Wein und Militärgeschichte mit einer Kritik am deutschen Außenhandelsdefizit im Weinhandel, ergänzt durch konkrete Verbesserungsvorschläge. Sollte die Schlacht von Waterloo das Szenario inspiriert haben, wäre der Titel eine kaum verschleierte Anspielung auf den Weiler Hougoumont.

Im Jahr 1846 gründete Hellrung mit Noah die erste deutsche Weinzeitschrift, die jedoch noch im Gründungsjahr wieder eingestellt wurde. Sein Wirken blieb materiell erfolglos, und es bleibt noch zu erforschen, inwieweit es nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Weinliteratur und der Weinkartografie nehmen konnte.

 

Veröffentlichungen (den Wein betreffend): 

  • Atlas der vorzüglichsten Weinländer in Europa, Rubach’sche Buchhandlung, Magdeburg 1837 – 1839.
  • Conversationslexicon für Weintrinker und Weinhändler, hrsg. von Carl Ludwig Hellrung unter Mitwirkung mehrerer Weinhändler und anderer Wein-Autoritäten, 2 Bde., Magdeburg 1838.
  • Der Champagner: eine Reise-Bericht zum Nutzen u. Frommen aller Weintrinker, Leipzig 1840.
  • Die Schlacht der Weine bei Château Hougomont am 18. Juni 1840, Mannheim 1840.
  • Karte des Weingebiets in den Zollvereins-Staaten, J. Walch, Augsburg 1846.
  • Noah. Monatsschrift für deutschen Weinbau, Weinhandel und Weingenuss, Bde. 1 – 12, Koblenz 1846.

 

Quellen: 

  • Informationen des Stadtarchivs Duderstadt, Anfrage 14.04.2025
  • Jaeger, Julius: Festschrift zur 600jährigen Feier des Bestehens der Schützengesellschaft und des Schützenhofes der Stadt Duderstadt, Duderstadt 1902.
  • Keindorf, Gudrun: Als der Erde Schooss den Teut geboren ... Zum 150. Todestag von Carl Ludwig Hellrung. In: Monatszeitschrift Das Eichsfeld 1 (2001), S. 10 – 13.
  • Opfermann, Bernhard: Gestalten des Eichsfeldes. Ein biographisches Lexikon, Heiligenstadt, 2. erweiterte und bearbeitete Aufl. 1999.
  • Woschek, Heinz-Gert: Weinliteratur im Wandel, Schriften zur Weingeschichte 183, Wiesbaden 2014.

 

Bildquelle: S. Kästner, Heimatmuseum Duderstadt

 

Autorin: Karoline Knoth, Meursault,Oktober 2024

Dünkelberg, Friedrich Wilhelm (1819 – 1912)

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Friedrich Wilhelm Dünkelberg

Friedrich Wilhelm DÜNKELBERG, Agrar- und Forstwissenschaftler, Ersteller der ältesten Weinlagenkarte der Welt 

* 4. Mai 1819 in Schloss Schaumburg/Lahn
† 11. August 1912 in Wiesbaden
Vater: Dünkelberg, Johann Friedrich der Jüngere (1775 – 1828), Forstmeister und Kammermeister in Schaumburg
Mutter: Johannette Anne Margarethe, geborene Unger (1789 – 1828)
⚭ 1958 Catherina Maria Friederike Adeline geb. Stadtfeld (1823 – 1894), 2 Söhne und 2 Töchter
⚭ 1895 Wanda Maria Amalie geb. von Leyser (1857 – 1909)

Friedrich Wilhelm Dünkelberg besuchte ab 1841 das herzoglich nassauische Landwirtschaftliche Institut Geisberg bei Wiesbaden und setzte 1844 sein Studium an der Universität Gießen fort. Dies schloss er 1846 mit einem Praktikum am Chemischen Laboratorium Fresenius ab. Am 1. April 1847 wurde er Lehrer für Naturwissenschaften und Kulturtechnik an der Ackerbauschule zu Merchingen und lehrte ab 1849 als Privatdozent an der landwirtschaftlichen Akademie zu Poppelsdorf/Bonn. Am 4. Mai 1850 promovierte D. an der Universität Jena mit der Abhandlung „Die Ackerbauschule, ein Bild der Wirklichkeit und der Idee“. Von 1850 bis 1871 lehrte er am Institut Hof Geisberg bei Wiesbaden, ab 1858 als Professor. 

In dieser Zeit entstand auch eine Weinlagenkarte des Rheingaus, der nach derzeitigem Kenntnisstand ältesten Weinlagenkarte der Welt. Von 1871 bis 1895 war er Professor und Direktor der Landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf/Bonn und begründete dabei die wissenschaftliche Kulturtechnik. D. forschte auf vielen Gebieten der Landwirtschaft. Auch wenn die Kulturtechniken und die richtige Standortwahl für Kulturpflanzenarten im Vordergrund standen, beschäftigte er sich ebenfalls mit Betriebswirtschaft und Viehzucht. Vermutlich entdeckte er die erste Reblaus in Deutschland auf dem Annaberg bei Bonn.

 

Quellen

  • Dünkelberg, Friedrich Wilhelm. Hessische Biografie. (Stand: 9. Januar 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  • Mueller, Curtius: Friedrich Wilhelm Dünkelberg. ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften. Stuttgart, [1912] Sonderdruck aus „Zeitschrift für Vermessungswesen“ Heft 20, 1912.
  • Babo, August Wilhelm 1875. Über das Auftreten der Phylloxera am Rheine. Zeitschrift für Weinbau und Kellerwirthschaft. 7. Jahrgang (1875), 25–26.

Veröffentlichungen (Auswahl):

  • Die Landwirthschaft und das Capital: Zugleich ein Aufruf an Grundherrn, Gutsbesitzer, Capitalisten, Domainen-Verwaltungen und Rentkammern zur Einrichtung von Muster-Pachtungen. Wiesbaden, Verlag Wilhelm Roth,1860.
  • Der Nassauische Weinbau: Eine Skizze der klimatischen, Boden- und Cultur-Verhältnisse des Rheingau‘s, nebst der allgemeinen amtlichen Statistik der Wein-Erträge aus den Jahren 1834, 1846 und 1857–1866. Aus Auftrag des Direktoriums des Vereins nassauischer Land- und Forstwirthe. Mit einer Weinbaukarte des nassauischen Rheingau‘s. Wiesbaden: Limbarth 1867.
  • Dünkelberg, Friedrich Wilhelm. Encyclopädie und Methodologie der Culturtechnik. 2 Bände. F. Vieweg, Braunschweig 1883.

 

Autor:

Ernst Rühl, Geisenheim, März 2025

Jung, Carl (1878 – 1965)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Carl Jung

Dr. Carl JUNG jun. – Weinhändler, Pionier der Entalkoholisierung

* 17. Mai 1878 in Lorch (Rheingau)
† 18. August 1965 in Rüdesheim am Rhein

Carl Jung erhielt seine schulische Ausbildung am Konvikt in Montabaur, welches er 1898 mit dem Abschluss der Hochschulreife verlassen konnte. Passend dazu hatte er anschließend den Wunsch, Priester zu werden und begann das Studium der Theologie in Münster. Doch am Ende kam es anders. J. wechselte nach Tübingen und inhaltlich zur Staatswissenschaft, wo er im Sommer 1902 auch promoviert wurde. Anschließend kehrte er in den Rheingau zurück, um im Lorcher Familienbetrieb mitanzupacken. 

Dort hatte die Familie bereits im Jahr 1823 mit dem Weinbau begonnen. J.s Vater (ebenfalls Carl) hatte den Beruf des Küfers erlernt und wurde später Winzer im Vollerwerb. 1868 gründete er ebenfalls in Lorch die Firma Carl Jung als Weinhandlung mit angeschlossener Brennerei. Bei Verkauf ihrer Weine erhielten die Jungs im Laufe der Jahre immer wieder Absagen, da die potenziellen Käufer aus Gesundheitsgründen abwinken mussten. Um diesem Trend entgegen wirken zu können, reifte die Idee, dem Wein den Alkohol einfach zu entziehen, damit er ohne dessen schädliche Wirkung genossen werde könne. Was auf den ersten Blick so einfach klingt, erschien den meisten Zeitgenossen zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch als völlig absurder Plan. 

Carl (junior) machte die Entalkoholisierung folglich zu seinem Projekt und er war es dann auch, der später als Pionier der Entalkoholisierung von Weinen in die Geschichte eingehen sollte. 

Im heimischen Betrieb begann er mit praktischen Versuchen zur Entalkoholisierung von Weinen. Inspiriert von einem Bericht über eine Bergsteigermission im Himalaja, wo er lesen konnte, dass sich mit zunehmender Höhe die Siedetemperatur des Wassers von 100 auf 70 °C senkte, versuchte er dem familieneigenen Riesling seinen Alkohol zu entziehen. Schnell erkannte er jedoch, dass dies nur unter Vakuum möglich ist. Dadurch ließ sich die Destillationstemperatur so weit senken, dass ein störender „Kochgeschmack“ vermieden wurde. Gleichzeitig musste seine Apparatur aber auch so konstruiert werden, dass die unterschiedlichen Flüchtigkeiten von Alkohol und Aromastoffen genutzt werden konnten. Zum bestmöglichen Geschmackserhalt des Weins sollen nämlich beide möglichst getrennt voneinander aufgefangen und die Aromenfraktion hernach dem entakoholisierten Wein wieder zugeführt werden. Dies ermöglicht eine schonende Entalkoholisierung ohne größere Aromenverluste. Damit hatte er ein damals komplett neues Verfahren entwickelt. 1907 war es dann so weit, Jung konnte seine Erfindung beim kaiserlichen Patentamt einreichen, welche dort mit der Nummer 204595 patentiert wurde. In der Beschreibung wurde betont: „Dieses Verfahren hat den Zweck, aus Wein ein alkoholfreies Getränk zu erzeugen, das in Aussehen, Geschmack und Blume dem Naturwein möglichst ähnlich ist.“ Im Folgenden wurde das technische Verfahren erläutert, bei dem der Wein mittels Vakuumdestillation „entgeistet“ wurde. Und da er dabei teilweise bekannte Verfahren benutzte, wurde klargestellt: „Das Neue und den Gegenstand vorliegender Erfindung bildende Merkmal ist daher lediglich der vom Erfinder eingeschlagene eigenartige Weg zur Gewinnung und Abscheidung der Aromastoffe.“

Doch die weitere Entwicklung war alles andere als ein Selbstläufer. Wiederholt wurde die Firma Jung mit Klagen überzogen. Bis 1939 gab es allein acht Gerichtsurteile, in den festgeschrieben wurde, dass der Begriff „alkoholfreier Wein“ nicht irreführend sei. Einleuchtend hieß es: „Dieser Begriff ist aber auch nicht widersprüchlicher als ein koffeinfreier Kaffee, entrahmte Frischmilch, oder gegorener Most.“ Gleichzeitig lieferte der zunehmende Verkaufserfolg den Jungs auch die Bestätigung, dass sie wirtschaftlich auf dem richtigen Weg waren. Weltgeschichtliche Ereignisse, wie die Prohibition in Amerika während der 1920er und 1930er Jahre, trugen dazu bei.

Kurz darauf, im Jahr 1939 folgte der Wechsel des Unternehmens nach Rüdesheim. Dort konnten die Jungs dank ihrer erfolgreichen Geschäfte die repräsentative Boosenburg erwerben, wo zuvor die traditionsreiche Weinhändlerfamilie Sturm ihren Geschäften nachgegangen war. Dort bezogen die Jungs fortan auch ihren Wohnsitz und sind seitdem ein Rüdesheimer Unternehmen. J. blieb zeitlebens eng mit der Firma verbunden und arbeitete bis zu seinem Tode aktiv in der Geschäftsleitung mit. Bereits im Jahr 1950 hatte sein Sohn Hans Otto die Geschäftsführung übernommen. 

Ansonsten war J. ein überaus vielseitig interessierter und begabter Mann. So galt er auch als ausgesprochener Liebhaber der Kammermusik und organisierte insbesondere in den 1920er Jahren in Lorch zahlreiche Konzerte. Und auch nach dem Umzug in die Rüdesheimer Boosenburg blieb er ein großer Liebhaber der Musik und verband dies mit einer überaus repräsentativen Haushaltsführung. 

Bemerkenswert ist auch seine persönliche Verbindung zu Karl May. Bereits als Schüler hatte er dessen Bücher verschlungen und einen Briefkontakt mit dem berühmten Autor begonnen. Es folgten persönliche Treffen in Radebeul und Lorch, bevor der Kontakt nach der Jahrhundertwende langsam wieder einschlief.

Während der Zeit des Dritten Reiches galt J. den Nationalsozialisten als politisch unzuverlässig und musste zeitweise sogar für mehrere Monate in Haft. Glücklicherweise überlebte er – ebenso wie die Rüdesheimer Firma – die Zeit des Zweiten Weltkrieges weitestgehend unbeschadet, so dass er nach 1945 den eingeschlagenen Weg fortsetzen konnte und sich weiterhin um die Förderung alkoholfreier Weine und Sekt kümmern konnte. Im Jahr 1961 erhielt er für seine vielfältigen Verdienste das Bundesverdienstkreuz. J. starb am 18. August 1965 in Rüdesheim, wo noch heute auf dem Friedhof ein Grabstein an einen der bedeutendsten Rheingauer Pioniere des 20. Jahrhunderts erinnert.  

Quellen

  • Firmenarchiv Dr. Carl Jung, Rüdesheim
    Auskünfte der Familie
  • Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Autor:

Oliver Mathias, Geisenheim, Juni 2025 

Reh-Gartner, Annegret (1954 – 2016)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Annegret REH-GARTNER, Weingutsleiterin

* 10.10.1954 in Bernkastel-Kues

† 3.10.2016 in Trier

Vater: Günter Reh (1928 – 2014), Kaufmann, Weingutsbesitzer

Mutter: Käthi Reh geb. Stelten (1929 – 2012)

Geschwister: Katharina Reh-Tessmann, Carl Reh, Nick Reh und Eva Reh-Siddle

⚭ 1988 Gerhard Gartner (1939 – 2019), Spitzengastronom, Zwei-Sterne-Koch in Aachen

 

Annegret Reh-Gartner entstammte der Leiwener Weinhändlerfamilie Reh. Nach dem Gymnasium in Trier führte sie ihre Vorliebe für Sprachen für zwei Jahre an das English College in Montreux, anschließend arbeitete R.-G. in der Marketingabteilung bei Nestlé und besuchte von 1973 bis 1977 die École Lemania in Lausanne. Von 1977 bis 1979 war sie bei einer Grundstücksverwaltung in Krefeld angestellt.

Als ihr Vater Günther Reh 1978 das traditionsreiche Weingut Reichsgraf von Kesselstatt erwarb, begann sie sich für den Weinbau zu interessieren. Sie absolvierte 1979 bis 1981 Praktika bei den Weingütern Wegeler, Schloss Reinhartshausen und Deinhard, arbeitete im Marketing und Verkauf für das Weingut Pieroth in Chicago und ab 1982 im Weingut Reichsgraf von Kesselstatt.

1983 übernahm sie die Geschäftsführung des Weinguts. Anfangs musste sie gegen Widerstände und Vorurteile kämpfen, denn dass eine junge Frau ein solches Traditionsweingut führte, war in den 1980er Jahren noch eine Ausnahme.

Der Betrieb setzte sich aus vier vormaligen Trierer Klosterweingütern mit berühmten Weinlagen an Mosel, Saar und Ruwer zusammen. Ein wichtiger Schritt war die konsequente Verkleinerung auf unter 50 Hektar. R.-G. stieß weniger günstig gelegene Parzellen ab, um die Qualität zu steigern und sich auf die Spitzenlagen zu konzentrieren, darunter die vier Hektar umfassende Monopollage Josephshöfer, ein großer Anteil am Scharzhofberg sowie Parzellen in den besten Lagen der Mittelmosel wie Bernkasteler Doctor, Brauneberger Juffer Sonnenuhr, Wehlener Sonnenuhr und Piesporter Goldtröpfchen oder im Kaseler Nies‘chen an der Ruwer. R.-G. setzte auf Spontanvergärung und schon früh legte sie ein besonderes Augenmerk auf trockene Weine – sie war eine der ersten, die es wagte, an der Mosel Große Gewächse abzufüllen. Überhaupt waren ihre Weine stets großartige Speisenbegleiter. 2003 war es R.-G., die in einem Grundsatzverfahren die Verwendung der Geschmacksangabe „feinherb“ auf dem Etikett erstritt. Sie verwendete die Angabe seit 1998 für Rieslinge, deren moderate Restsüße durch feine Säure abgepuffert war und die einem charakteristischen Geschmacksbild entsprachen. Das Urteil blieb zwar weinrechtlich umstritten, doch der Begriff „feinherb“ etablierte sich. 

Ihr konsequentes Qualitätsstreben wurde belohnt mit der Aufnahme des Weinguts in den Großen Ring (2005) und in den VDP (2005). R.-G. hatte 1999 den Betriebssitz aus dem barocken Palais Kesselstatt in Trier nach Schloss Marienlay in Morscheid verlegt, um Büro und Produktion an einem Ort zusammenzuführen und Kunden besser betreuen zu können. Das 2016 neu errichtete Kelterhaus konnte sie noch planen. 

R.-G. war eine engagierte Botschafterin für den deutschen Riesling und trug erheblich zum Ansehen des Deutschen Weins in der Welt bei. Von Anfang an hatte sie auf den Export gesetzt, und das in einer Zeit, als es um die Reputation des Moselweins nicht zum Besten stand. Ihre internationalen Kontakte, ihre Reisefreudigkeit und ihre Sprachkenntnisse halfen dabei, vor allem aber überzeugte sie durch ihr gewinnendes Wesen, ihre liebenswürdige Art und ihre positive Ausstrahlung. R.-G. leitete das Weingut Reichsgraf von Kesselstatt, das sich im mehrheitlichen Besitz der Schloss Wachenheim AG befindet, mit Weitsicht und pflegte einen ausgesprochen kooperativen Führungsstil. Sie konnte stets zuhören und scheute sich nicht, Verantwortung in die Hände jüngerer Mitarbeiter zu legen. Sie erlag im Oktober 2016 einem schweren Krebsleiden. 

 

Auszeichnungen:

Winzerin des Jahres 1989 und 2011, Nominierung 2001 und 2005.

 

Quellen

  • Auskünfte von Katharina Reh-Tessmann
  • Persönlich bekannt
  • Nachrufe u. a. in Falstaff, im Wine Spectator und von Jancis Robinson.
  • Pigott, Stuart et al.: Wein spricht Deutsch, Frankfurt am Main 2007.
  • Koch, Hans-Jörg: „Feinherb“-Prozess beendet – was nun? In: Der Deutsche Weinbau 9/2003, S. 36/37.
  • Bildquelle: Mit freundlicher Genehmigung der Familie Riede

 

Christine Krämer, Stuttgart, Oktober 2024

Gmelin, Karl Christian (1762–1837)

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Kategorie: Persönlichkeiten A-Z

Karl Christian GMELIN, deutscher Botaniker und Naturforscher

* 18. März 1762 in Badenweiler

† 26. Juni 1837 in Karlsruhe

 

Karl Christian Gmelin war Sohn eines Pfarrers und jüngerer Bruder des Kupferstechers Wilhelm Friedrich Gmelin. Nach sechsjährigem Studium der Medizin, mit besonderer Bevorzugung der Naturwissenschaften, an den Universitäten Straßburg und Erlangen, erwarb sich Gmelin 1784 in Erlangen den Doktorgrad und in Karlsruhe die Zulassung als praktischer Arzt. Außerdem lehrte er Naturgeschichte am dortigen Gymnasium, ein Amt, das er volle 50 Jahre versah.1786 wurde ihm auch die Direktion des fürstlichen Naturalien-Cabinets und die Aufsicht über die botanischen Gärten übertragen. 1794 brachte er die fürstlichen Sammlungen nach Ansbach. Die zweieinhalb Jahre, die er dort blieb, benützte er zu Studien in dem nahen Erlangen. Das wachsende Naturalien-Cabinet zeigt seinen Sammeleifer und der ihm anvertraute botanische Garten stand in den Kreisen der Naturforscher seiner Zeit in hohem Ansehen. 

Dem Garten galten auch seine ersten Schriften: die beiden Auflagen des Catalogus plantarum horti Carlsruhani (1791 und 1800), denen 1811 noch ein Hortus Magni Duci Badarum Carlsruhanus folgte. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet C. C. Gmel. Sein Hauptwerk ist die Flora Badensis Alsatica et confinium regionum cis et transrhenana, das wegen seiner guten Speziesbeschreibung und sorgfältigen Zitierens der Literatur für seine Zeit mustergültig war. Das 1809 erschienene Buch Ueber den Einfluß der Naturwissenschaften auf das gesamte Staatswohl, zeigt, dass G. durchaus die Bedeutung wissenschaftlicher Arbeit für das Gemeinwesen im Auge hatte. 

Für den Weinbau bedeutend ist seine Beschreibung der damals in den Rheinauen häufigen europäischen Wildrebe Vitis sylvestris C. C. Gmel. bzw. Vitis vinifera subsp. sylvestris C. C. Gmel. bzw. Vitis gmelinii Buttler in seiner Flora Badensis Alsatica. Außerdem hat er 1821 in den Verhandlungen des landwirtschaftlichen Vereins in Ettlingen die Barttraube (Laska) beschrieben, die als Wundertraube für regen Gesprächsstoff gesorgt hatte. 

 

Quellen: 

  • Gmelin, Moriz: Gmelin, Karl Christian. In: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 271–272. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118966243.html#adbcontent (24.04.2024). 
  • Gmelin, Carolus Christiano: Flora Badensis Alsatica. Tom. 1–4. Carlsruhae 1805–1826.
  • https://www.ipni.org/n/urn:lsid:ipni.org:names:69086-1 (24.04.2024). 

 

Ernst Rühl, Geisenheim, April 2024

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