Kraus, Vilém (1924 – 2013)

Friedrich Wilhelm Dünkelberg

Vilem KRAUS, Prof. Ing. Rebenphysiologe und Rebenzüchter  
* 30. Mai 1924 in Prag, Tschechien
† 7. Juni 2013 in Lednice, Tschechien

 

Vilém Kraus wurde am 30. Mai 1924 in Prag geboren. Im Jahr 1929 zogen seine Eltern nach Louny, wo er zuerst die Volksschule und danach das örtliche Realgymnasium besuchte. Nach der fünften Klasse des Gymnasiums schickten ihn seine Eltern in die Höhere Schule für Obst-, Wein- und Gartenbau in Mělník. Im Jahr 1949 begann er ein Studium an der Fakultät für Land- und Forstwirtschaft der Tschechischen Technischen Universität in Prag und wechselte nach dem ersten Staatsexamen an die Gartenbau- und Weinbaufakultät der Landwirtschaftlichen Hochschule in Brno. Bereits in seiner Diplomarbeit „Möglichkeiten der Hocherziehung in unseren Weinbaugebieten“ ging es um weinbautechnische und physiologische Fragen und die Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Traubenproduktion. Diese Themen sollten ihn sein ganzes Leben begleiten. Der Kontakt zur Praxis und Forschung für die Praxis war ihm sehr wichtig. Von 1955 bis 1964 arbeitete er an der Zuchtstation in Velke Zernoseky. 1960 reichte er seine Dissertation über „Die Historische Entwicklung des Nordböhmischen Weinbaugebiets und Rekonstruktionsvoraussetzungen“ an der Universität Brno ein und wurde promoviert. Von 1964 bis 1991 war er Leiter des Instituts für Weinbau an der Gartenbauliche Fakultät der Universität Brno in Lednice.

In Tschechien ist K. vor allem wegen seiner physiologischen Arbeiten und seiner ganzheitliche Sicht der Produktion bekannt. Dazu gehören auch von ihm gezüchtete Peronospora- und Oidium-tolerante Sorten, wie Neronet und Rubinet und die Unterlagssorte K-1. Neben Pilzresistenzen aus amerikanischen Wildformen, wie sie in der deutschen und französischen Rebenzüchtung zu der Zeit üblich waren, benutzte er bei seinen Kreuzungen auch Peronospora-Resistenzen aus der asiatischen Wildform Vitis amurensis, zu denen er durch Kontakte mit russischen Kollegen Zugang hatte. Aus einer von K. 1964 durchgeführten Kreuzung von Zarya Severa (Vitis amurensis Abkömmling) und St. Laurent selektierte Prof. Helmut Becker, aus ihm überlassenen Kernen, in Geisenheim die Sorte Rondo. Der Pollen weiterer V. amurensis-Abkömmlinge aus den Zuchtquartieren von Helmut Becker wurde von Norbert Becker am Weinbauinstitut Freiburg für Kreuzungen weiterverwendet. Hieraus entstanden Freiburger Sorten wie Bronner oder Solaris.  So wurde durch K. Erbgut der Peronospora-resistenter asiatischer Wildformen in die Rebenzüchtung in Freiburg und Geisenheim eingeführt, was zu einer deutlichen Steigerung der Peronospora-Resistenz dieser Zuchtstämme führte. Im Gegenzug wurden auch Geisenheimer Sorten durch K.s Wirken in Tschechien getestet. So auch der Zuchtstamm Gm 322 58, der wegen seiner guten Weinqualität (Sauvignon blanc-Aromen) und hohen Winterfrosttoleranz in Tschechien zu den wichtigen neuen Peronospora-toleranten Sorten gehört. Wegen der hohen Frostresistenz erhielt sie dort den Namen Hibernal. K. ist auch deshalb in Deutschland bekannt, weil er hervorragend Deutsch sprach und schrieb. Bis ins hohe Alter führte er im großen Garten hinter seinem Haus in Lednice Kreuzungen durch und zog Sämlinge auf. 

Das wichtigste Anliegen von K. war die Verbesserung der Situation des Weinbaus in Tschechien. K. hat an zahlreichen Büchern und Filmen mitgearbeitet und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine wissenschaftlichen Arbeiten. 

Ehrungen: 

  • Goldmedaille der Mendel-Universität für Land- und Forstwirtschaft, Brno
  • Silbermedaille der Masaryk-Universität
  • Gedenkmedaille des Internationalen Büros für Rebe und Wein O. I. V. in Paris
  • Gedenkmedaille für sein Lebenswerk für den Weinbau in der Tschechischen Republik 

 

Rebsorten:

  • Rubinet
  • Neronet
  • Unterlage K-1

 

Quellen: 

Bildquelle: © hs-gm

Autor: Ernst Rühl, Geisenheim, Oktober 2025

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