Matuschka-Greiffenclau, Guido Graf von (1847 – 1924)
Guido Maria GRAF von MATUSCHKA, Reichsfreiherr von Greiffenclau zu Vollrads, Freiherr von Toppolczan und Spaetgen, gen. Graf Matuschka-Greiffenclau, Jurist und Weingutsbesitzer.
* 7. Mai 1847 in Hirschberg, heute Jelenia Góra (Polen)
† 11. September 1924 in Heilbronn
Vater: Hugo* Julius Franz Gustav Arthur Graf von Matuschka-Greiffenclau, Matuschka Freiherr von Greiffenclau, Freiherr von Toppolczan und Spaetgen (1822 – 1898), Königlich-Preußischer Kammerherr, Schlosshauptmann in Wiesbaden.
Mutter: Johanna Ottilie Antonie Eleonore Sofie* Reichsfreiin von Greiffenclau-Vollrads (1824 – 1909)
⚭ 2. August 1892 mit Clara Freiin von Oppenheim-Ramersdorf (1870 – 1959)
Kinder:
Richard (1893 – 1975)
Karl (1895 – 1915), gefallen bei Krasnostaw, Polen
Liane (1896 – 1937) ⚭ 1923 mit Ludwig Freiherr von Flotow
Clara (1902 – 1993), ⚭ 1927 mit Paul Baron Kirsch-Puricelli, Dr. rer. pol., Montanunternehmer
Nachdem M. In den ersten Jahren Privatunterricht erhalten hatte, besuchte er zuerst das Pädagogium in Halle an der Saale und danach das Gymnasium in Koblenz, wo er 1866 die Reifeprüfung ablegte. Ab Herbst studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn und Berlin, was von einem einjährigen freiwilligen Militärdienst beim Königs-Husaren-Regiment unterbrochen wurde, 1869 wurde er Sekondeleutnant der Reserve.
Am 23.04.1870 legte er sein Referendarexamen ab und wurde am 14.05.1870 Gerichtsreferendar am Appellationsgericht Wiesbaden; daneben war er auch am Kreisgericht Wiesbaden tätig.
1870/71 nahm er als Leutnant d. R. des ersten Rheinischen Husarenregiments Nr. 7 am Frankreichfeldzug teil und wurde bei St. Quentin verwundet. 1877 legte er seine 2. Staatsprüfung ab und war in verschiedenen Verwaltungen in Kassel und Gelnhausen tätig. 1879 wurde er zum Landrat des Kreises Wiesbaden gewählt. 1894 wurde er Polizeidirektor von Aachen und ein Jahr später 1895 Polizeipräsident. Ende 1897 wurde er aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt und am 01.07.1898 in den Ruhestand verabschiedet.
M. wurde Fideikommissbesitzer des Gutes Vollrads, dessen Weingut er verwaltete und wo er seinen Lebensabend verbrachte. Durch das vorgezogene Erbe seiner Frau konnte Schloss Vollrads grundlegend renoviert und ausgebaut und der Weinbau des Gutes weiterentwickelt werden. […] mit unendlicher Liebe, Pietät und einem ausgeprägten Verständnis für alle ästhetischen und historischen Werte des Baues hat der feinsinnige Graf Matuschka-Greiffenklau unter tatkräftiger künstlerischer Unterstützung seiner vielseitig gebildeten Gattin aus den Trümmern alter Herrlichkeit einen höchst feudalen und würdigen Herrensitz erstehen lassen (Rheingauer Weinzeitung 1912, Seite 229 – 230). Er legte den Grundstein, dass Schloss Vollrads zu einem der bekanntesten Prädikatsweingüter Deutschlands wurde.
M. engagierte sich auch in vielfältiger Weise für den Berufsstand. So initiierte er 1903, insbesondere wegen der Reblausgefahr, eine „Vereinigung zur Bekämpfung aller Rebschädlinge“. Er war Mitglied der Kommission, die deutsche Beteiligung an Weltausstellungen (z. B. 1904 St. Louis) organisierte. Auf der Weltausstellung 1910 in Brüssel erhielt sein Weingut einen „Grand Prix“. Über mehrere Jahre vertrat er den Rheingauer Weinbau bei Sitzungen und Versammlungen des Deutschen Weinbauvereins, dessen Vizepräsident er von 1907 – 1911 war. 1909 war er Gründungsmitglied des Rheingauer Weinbauvereins und wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt. Regelmäßig nahm er an Deutschen Weinbaukongressen teil, zuletzt 1924 in Heilbronn, wo er am ersten Kongresstag verstarb.
Ehrungen
Zahlreiche Orden und Ehrungen darunter:
- Großkomtur ad hon. des bayerischen St. Georg-Ordens
- Königlich-Preußischer Kronorden II. Klasse
- Eisernes Kreuz
- Kriegsmedaille 1870/71
- Ehrenmitglied des Deutschen Weinbauverbandes
Quellen:
- Horst Romeyk: Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816 – 1945 (= Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde. Band 69). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-7585-4, S. 623.
- Kösener Korpslisten 1910, 19, 457.
- Matuschka Freiherr von Greiffenclau, Freiherr von Toppolczan und Spaetgen, Rudolf Matthias Gustav Julius Maria Guido Graf von. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). In: https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/4797_matuschka-freiherr-von-greiffenclau-freiherr-von-toppolczan-und-spaetgen-rudolf-matthias-gustav-julius-maria-guido-graf-von. Letztmals aufgerufen am 21.04.2026
- Baumann, K.-H., Schloss Vollrads. Persönliche Mitteilungen.
- Rheingauer Weinzeitung, Jahrgänge 1903 – 1924.
- Berichte über Deutsche Weinbaukongresse in den Jahren 1907 – 1924.
- Mitteilungen des Deutschen Weinbau-Vereins 1907.
Dr. Ernst Rühl, Geisenheim und Dr. Rudolf Nickenig, Remagen, April 2026

