Joachim Körber (Hrsg.):
Das Morden ist des Winzers Lust. Pfälzer Kriminalgeschichten.

Das Morden ist des Winzers Lust

AGIRO Verlag, Neustadt/Weinstraße 2007. 256 Seiten.
ISBN 978-3-934769-84-7. EUR19,90

Sieben profilierte Autoren haben sich auf eine Wanderung durch die Pfalz begeben und in Bellheim, Germersheim oder Edenkoben, inmitten freundlicher, sonniger Rebenhügel und tiefgrüner Wälder, dem Verbrechen nachgespürt.
Herausgekommen sind sechs völlig unterschiedliche Geschichten mit viel Lokalkolorit, Humor und skurrilen Typen, die von Mord und Rache, von Täuschung, Betrug und Eifersucht erzählen und dabei den Leser mitnehmen in eine Umgebung, in der man das Böse nicht vermutet.
Weinseligkeit mischt sich aufs Angenehmste mit Gänsehaut – Spannung pur bis zum letzten Atemzug.

Verfasser: Dr. Gerhard Stumm
Aus: Mitteilung der GGW 2/2008

Balthasar Sprenger:
Anleitung zur Verbesserung der Weine in Deutschland.

Anleitung zur Verbesserung der Weine in Deutschland

Neu herausgegeben mit einem Nachwort von Isolde Döbele-Carlesso. Carlesso Verlag, Brackenheim 2008 (Weingeschichte. Historische Texte. Bd. 4). 191 Seiten, 12,5 x 19 cm, Hardcover.
ISBN 978-3-939333-06-7. EUR 15,-

Das 1775 anonym erschienene Werk mit vollständigem Titel „Ausführliche getreue und bewährte Anleitung zu einer gründlichen, unschädlichen, erlaubten, dauerhaften wie auch vortheilhaften und leichten Verbesserung der Weine in Deutschland zu Verhütung aller schädlichen Weinkünste aus Liebe mitgetheilt von einem redlichen Deutschen“ wurde nun in der Reihe historischer Texte des Carlesso-Verlages wieder neu herausgegeben. Als Autor verbirgt sich der Weinbaufachmann Balthasar Sprenger (1724–1791), der von 1757 bis 1781 an der württembergischen Klosterschule der Zisterzienser in Maulbronn bei Pforzheim lebte und als Professor über Landbau lehrte. Neben seinen Büchern über Futterkräuter, Bienenzucht sowie allgemeine und ökonomische Landwirtschaft sind seine Werke über den seinerzeitigen Weinbau historisch bedeutsam und auch heute noch äußerst lesenswert. Seine umfassende dreibändige „Vollständige Abhandlung des gesamten Weinbaues“ beinhaltet z. B. ein nahezu vollständiges Verzeichnis, „welches gute und schlechte, rothe und weisse, frühe oder späte Sorten“ beschreibt. Die neu herausgegebenen „Anleitungen zur Verbesserung der Weine in Deutschland“ gliedern sich in die drei Teile „Zweck der Weinverbesserung überhaupt“, „Die zur Weinverbesserung dienliche Mittel in alphabetischer Ordnung“ und „Die Weinverbesserung selbst“ mit insgesamt sechs Kapiteln, ergänzt durch zwei Anhänge und einem Register. Beim Lesen dieses Neudruckes fühlt man sich durchaus in die heutige Welt der Weinerzeugung versetzt, nur mit anderen Begriffen geschrieben und anderen Behandlungsmitteln praktiziert. So wird bereits für jene Zeit schon darauf hingewiesen, welches die geeigneten Weinbergslagen und Weinbergsböden darstellen und warum, welche Weinstöcke und wie diese gewartet und gezogen werden müssen, aber auch welche Bedeutung die Witterung für die Erzeugung guter Trauben hat. Als heutige Definition eines Weines kann durchaus die historische Aussage gelten: „Der Wein ist ein geistiges Getränk, welches entsteht, wann der ausgepreßte Saft reifer Trauben, oder der Traubenmost in Fässern oder anderen Gefässen die erste merkliche Gährung vollendet“. Das Wort „Alkohol“ kommt im gesamten Werk nicht ein einziges Mal vor, vielleicht sollte man auch heute den Begriff „geistiges Getränk“ mehr verwenden für unseren edlen Wein. Zehn Eigenschaften werden von einem guten Wein erwartet, wobei neben Farbe, Geruch, Geschmack und Konsistenz oder Schwere u. a. auch Geistigkeit, Feuer, Subtilität, Flüchtigkeit, Durchdringlichkeit, Dauerhaftigkeit und „gesund zu trinken“ hervorgehoben werden, Begrifflichkeiten, die uns durchaus auch heute gut zustehen und detailliert besprochen werden. Zur Prüfung der Güte eines Weines werden Sinnenproben, gewisse Versuche und Erfahrungen, aber auch Nachrichten und Zeugnisse darüber empfohlen. Für eine mögliche oder nötige Weinverbesserung werden vier Hauptregeln als unwidersprechlich“ angesehen und die der Verbesserung dienlichen Mittel werden auf etwa 80 Druckseiten alphabetisch aufgeführt und beschrieben, was einem Wein-Lexikon gleichkommt. In fast didaktischer Wiederholung wird immer wieder auf die Grundsätze der Weinverbesserung hingewiesen, aber auch aufgezeigt, wie man dem deutschen Wein Eigenschaften von ausländischem Wein beibringen kann, eine frühe Art der Globalisierung anno 1775. Das alphabetische Register kann als schneller, zeitversetzter Rückblick dienen. Eine Kurzbiographie von Balthasar Sprenger und eine Zusammenstellung von Maßen aus der damaligen Zeit beschließen dieses schöne, auch heute wieder lesenswerte Buch.

Verfasser: Dr. Günter Schruft
Aus: Mitteilung der GGW 2/2009

Gudrun Mangold:
Trollinger & Co. Württemberger Weinkultur.

Trollinger & Co. Württemberger Weinkultur

Edition Gudrun Mangold, Heidelberg 2007. 160 Seiten.
ISBN 978-3-00-023433-0. EUR 39,90

Beim ersten Durchblättern dieses ganz offenbar mit Herzblut aufgemachten, opulent bebilderten und mit seinen zahlreichen historischen Fotos auch hübschen Bandes gewinnt man einen durchaus positiven Eindruck.

Es scheint eines jener Bücher zu sein, die sich gut als Geschenk für solche eignen, die dem Württemberger Wein zugetan sind. Der Band will aber nicht nur eine Einführung in Württembergs Weinbau, seine Weine und Geschichte sein. Als solcher lohnte er nicht mehr als eine kurze Vorstellung. Das Buch will mehr.
Bereits bei der Lektüre des Vorworts ("Anstoß") stutzt man. Hier schreibt offensichtlich jemand voller Ressentiments: von Weinliebhabern, die dummes Zeug "schwätza", von Weinjournalisten ("je wichtigtuerischer, desto offener der Kofferraum") und über Historiker. Lassen wir auf sich beruhen, wie weit die sich darin aussprechenden Vorurteile ein reales Fundament besitzen. Schwätzer gibt es überall und nicht nur Weinjournalisten sind korrumpierbar.
Aus dem Rezensenten unbekannten Gründen stellt das Buch eine Abrechnung mit der Tübinger Dissertation von Christine Krämer, "Weinbau in Württemberg. Herkunft, Einführung, Verbreitung und die Qualität der Weine vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert (Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte 7), Ostfildern 2006", dar und dies im Stile dessen, was man eigentlich nicht anders denn als "Zickenkrieg" bezeichnen kann. Wenn die Verfasserin Thesen aus der von ihr kritisierten Doktorarbeit referiert, streut sie immer wieder Bemerkungen ein wie "Hoppla" (S. 127) oder "Wie bitte?" (S. 130). Ein Kapitel überschreibt sie "Doktor Trollinger oder In Vino Veritas" und bei einem Autoren, aus dessen Publikationen sie manches übernommen hat, bedankt sie sich "Chapeau (auch wenn es kein Doktorhut ist)!" (S. 159).
Worum geht es? Christine Krämer hat mit ihrer Dissertation die zweifellos bislang bedeutsamste Arbeit zur Weingeschichte Württembergs vorgelegt. Sie stellt nicht zuletzt in methodischer Hinsicht einen großen Fortschritt dar, denn Krämer kann zeigen, dass eines der großen Probleme der historischen Ampelographie die Gefahr der Verwechslung von Herkunftsbezeichnungen für Rebvaritäten mit historischen Handelsbezeichnungen von Weinen ist. Diesem Problem ist nur durch sorgsame Quellenkritik beizukommen.
Krämer vermag nun in ihrem Kapitel zum Trollinger auf Grund systematischer Quellenanalysen wahrscheinlich zu machen, dass die Rebvarietät, die heute unter dem Namen Trollinger kultiviert wird, in Württemberg und anderen deutschen Weinbaugebieten zunächst anders genannt wurde. Dabei geht sie von der italienischen Bezeichnung des Vernatsch aus, wie der heutige Trollinger in Südtirol heißt, von Schiava. Der Name leitet sich gemäß lateinischen Quellen des 12. Jahrhunderts von "slava" ab. Diese Traube war im Friaul, im Veneto und der Lombardei verbreitet. Wahrscheinlich stammt sie vom Balkan (Slawonien). Im deutschen Sprachraum ist sie im 14./15. Jahrhundert als "Schlafen" oder "Geschlafene" belegt, was sich von "slava" herleitet; auch als "Lombard", "Lambert" (im Rheingau, 18. Jh.) und "Lamper" taucht sie auf, was die lombardische Herkunft des Rebguts reflektiert. In Württemberg hieß sie meist jedoch "Welsch", was sprachlich sehr genau ein Wissen um die Herkunft außerhalb des Reiches wiedergibt.
Trollinger, d. h. "Tirolischer" Wein war indes, wie bereits mittelalterliche Zollordnungen belegen, zunächst ein Weinhandelsname. Es ist die durch Quellenbelege gut gestützte These Krämers, dass dieser Name auf die "welschen" Rotweine Württembergs erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts übertragen wurde, weil Südtiroler Weine sich eines so guten Rufs erfreuten. Das vereinzelte Zeugnis des Marcus Sitticus von Wolkenstein in seiner Landesbeschreibung Südtirols von 1600, wo er neben "Geschlaffen" und "Vernatsch" auch "Trollinger" nennt, spricht nicht gegen Krämers Grundannahme. Was damals damit bezeichnet wurde, muss unklar bleiben, hebt jedenfalls spätere Quellenbelege zur württembergischen Weingeschichte nicht auf, die den Namen noch lange Zeit nicht kennen.
Die wissenschaftlich absolut sauberen Argumentationen Krämers vermag Gudrun Mangold offensichtlich nicht nachzuvollziehen. Das zeigt ihre Bemerkung, dass "man beim Versuch, der Argumentation in Sachen Trollinger zu folgen, unsanft aus der Kurve fliegt" und dass die Dissertation einer Überarbeitung bedurft hätte (S. 130). Leitend ist für sie offensichtlich die Vorstellung, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: Die Rebsorte Trollinger muss als solche aus Tirol stammen, auch wenn die Quellen etwas anderes sagen und Mangold sogar selbst berichtet, dass im Remstal für den heutigen Trollinger immer noch der Name "Welscher" gebräuchlich ist. Dass die Autorin meint, in der Dissertation Krämers "logische Brüche" feststellen zu können, liegt möglicherweise aber darin begründet – leider muss man es sagen –, dass ihre Lateinkenntnisse nicht ausreichend sind, um alle Quellenzitate Krämers nachvollziehen zu können; dieser Verdacht keimt, wenn man Ciceros Maxime "suum cuique" (Jedem das Seine) als "suum quique" zitiert findet (S. 120).
Die Invektiven auf Frau Dr. Krämer, die Professoren, die ihre Dissertation betreuten und begutachteten, und diejenigen, welche den Druck der Arbeit unterstützten (S. 131 werden sie alle namentlich genannt und an den Pranger gestellt), bilden jedoch nicht die einzige Front, an der Mangold kämpft. Sie will auch gegen den allgemeinen Konsens der Forschung zeigen, dass es bereits römischen Weinbau in Württemberg gab. Dabei zeigt sich erneut, dass die Verfasserin leider nicht wirklich historisch zu denken vermag und zu historischer Quellenkritik – in diesem Fall von archäologischen, d. h. monumentalen Quellen – keinen Zugang hat. Die Addition von Wahrscheinlichkeiten (die bei rechtem Licht betrachtet, nicht einmal solche sind) ergibt keine Tatsachen.
Die Reben auf der Jupitergigantensäule von Walheim (Lkr. Ludwigsburg) sagen angesichts der Verbreitung dieses ikonographischen Motivs im Römerreich nichts über antike Rebkulturen in dieser Gegend. Das im 16. Jahrhundert bei Fellbach in einer Weinbergsmauer verbaut aufgefundene Mithrasrelief dafür in Anspruch zu nehmen, "dass bereits die Römer Rebstöcke auf dem lössreichen Boden angepflanzt haben" (S. 42), ist schlichtweg unsinnig. Der 1957/58 ausgegrabene "Römerkeller" der Villa rustica von Oberriexingen (Lkr. Ludwigsburg) wird zwar gern als Weinkeller angesprochen, ist aber ein Vorratskeller gewesen. Dafür, dass dort Wein aus Württemberg gelagert wurde, gibt es keinerlei Anhaltspunkte.
Was Gudrun Mangold schlicht vergisst, ist das Verbot des Weinbaus außerhalb der italischen Provinzen durch Kaiser Domitian im Jahre 90, das erst Ende des 3. Jahrhunderts durch Kaiser Probus aufgehoben wurde. Um diese Zeit aber war Württemberg schon den Alamannen anheim gefallen. Gerade weil es gilt, dass das Verbot nicht überall streng beachtet wurde, muss die Wissenschaft für den Zeitraum seiner Geltung einen direkten Nachweis für Weinbau in den Provinzen fordern, z. B. archäobotanische Zeugnisse. Rebmesser, wie sie oft angeführt werden, sind hier z. B. ohne den metallurgischen Nachweis antiken Eisens oder eindeutiger Fundumstände unergiebig; sie wurden, was immer wieder betont werden muss, bis in die Neuzeit in einer Form verwandt, die sich seit der Antike nicht verändert hatte, und häufig in Weingärten verloren.
Dass der elbgermanische Personenverband, den wir nach einem Zeugnis vom Ende des 3. Jahrhunderts Alamannen nennen, einen römischen Weinbau fortgesetzt hätte, wie Mangold meint, ist eine vollkommen unwahrscheinliche These.
Andere Dinge, die in diesem Buch zu korrigieren bzw. zu präzisieren sind, fallen demgegenüber weniger ins Gewicht. Festzuhalten ist (S. 26), dass der Großteil des verbliebenen Tübinger Weinbaus heute im Ammertal liegt. Dort waren nicht die Zisterzienser der nahen Abtei Bebenhausen begütert – auch wenn man es gern annehmen möchte – sondern die Prämonstratenser von Obermarchtal an der Donau (S. 28). Der Beginn des Weinbaus am Neckar im Rottenburger Weggental mit dem Weinberg und dem Kelterhaus der wahrscheinlich weltweit ältesten Weinbruderschaft, den Urbansbrüdern von 1401, ist der Verfasserin offensichtlich unbekannt. Die herzoglich angeordnete Verringerung der Gewichte im Vorfeld des Aufstands des "Armen Konrad" von 1514 in Beutelsbach bedeutete nicht die Erhöhung der Verbrauchssteuer (S. 45), sondern diese war, auf Fleisch erhoben, mit der Veränderung der Gewichte zusätzlich verbunden. Dass in Neckarsulm 1855 "die allererste Weingärtnergenossenschaft" gegründet worden sei (S. 89), liest man öfters. In Wirklichkeit ist es komplizierter: 1854 wurde in Asperg und 1855 in Neckarsulm eine "Assoziation für die Bereitung und Verwertung des Weinmostes" gegründet. Genossenschaften im rechtlichen Sinne waren dies noch nicht. Dazu bedurfte es erst eines Genossenschaftsgesetzes. Das erste erließ Preußen 1867. Auf dessen Grundlage wurde als erste Winzergenossenschaft 1868 die von Mayschoß an der Ahr gegründet. Die Jahresangabe 1942 (S. 128) ist zu verbessern in 1342.
Hätte die Autorin ihre Lust auf Kontroversen gezügelt, sähe man ihr solche Schnitzer sicher eher nach und wäre der ganze Band ein durchaus recht nettes Buch. So aber ist es an vielen Stellen ärgerlich und insgesamt enttäuschend.

Verfasser: Prof. Dr. Hans Reinhard Seeliger
Aus: Mitteilung der GGW 2/2008

Christine Krämer:
Rebsorten in Württemberg. Herkunft, Einführung, Verbreitung und die Qualität der Weine vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert.

Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2006 (Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte. Band 7). 268 Seiten.
ISBN 3-7995-5507-2, 978-3-7995-5507-4. EUR 24,90

Das vorliegende Buch ist als Band 7 der Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte erschienen und stellt die leicht überarbeitete Doktorarbeit von Christine Krämer dar, die im Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Tübingen erstellt worden ist. Der Titel könnte dazu verführen, dass der Inhalt nur von Rebsorten in Württemberg handelt, der Untertitel „Herkunft, Einführung, Verbreitung und die Qualität der Weine vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert“ gibt aber den Hinweis, dass hier eine weit umfassendere Darstellung der württembergischen Weinbau- und Wein-Geschichte erfasst und in sieben Kapiteln behandelt wird. Schon die „Einleitung“ stellt klar, dass hier eine geschichtswissenschaftliche Untersuchung vorliegt, und dass zum Beispiel an Hand der Herkunftsrebsorten der Frage nachgegangen werden kann, welche Reben wann und woher ins Land gekommen sind. Das Unterkapitel „Forschungsstand“ gibt einleitend eine kurze Literaturübersicht zur Geschichte vor allem der Rebsorten von Württemberg. Der zeitliche Rahmen der Bearbeitung umfasst rund 500 Jahre vom Spätmittelalter bis zur Reblauskrise des 19. Jahrhunderts. Im 2. Kapitel „Methodische Vorgaben“ wird neben der „Quellenbasis“ ein „Interdisziplinärer Ansatz“ abgehandelt, der auf die interessante Klimageschichte und auf den Einfluss des Klimas auf die Rebsortenwahl eingeht, dazu aber auch die historische und moderne Abstammungsanalyse von Rebsorten erklärt und der Frage nachgeht, ob sprachwissenschaftliche Kriterien die Herkunft von Rebsorten aufzuklären vermögen. Im Umfang nehmen das Kapitel 3 „Rebsorten von den Anfängen des Weinbaus in Württemberg bis zum Dreißigjährigen Krieg“ und das Kapitel 4 „Rebsorten in Württemberg von der zweiten Hälfte des 17. bis zum 19. Jahrhundert“ den größten Raum ein. Dabei werden neben der Herkunft, Verbreitung und Beschreibung der jeweiligen Rebsorten detailliert auch die Rahmenbedingungen dargestellt, wie Klimaverhältnisse, Wirtschaftsstrukturen, obrigkeitliche Einflussnahmen, Erzeuger- und Verbraucherinteressen der angegebenen Zeiten. Ausführlich wird die Weinfachliteratur der einzelnen Zeiträume aufgeführt und kritisch bewertet, was insbesondere bei früheren wissenschaftlichen Ampelographien erforderlich ist. Für jede behandelte Periode werden die entsprechenden Rebsorten beschrieben und erklärt, so z. B. der Heunisch oder der Traminer, dessen Bedeutung allein 15 Seiten Beschreibung in Anspruch nimmt. Aber auch die vielgebrauchten historischen Begriffe „hunnisch“ und „fränkisch“ werden erklärt und hinterfragt. Überhaupt spielte in den Anfängen des Weinbaus immer wieder der Transfer von Wissen, Technik und Material eine bedeutende Rolle, was besonders im Zusammenhang mit Klostergründungen verständlich wird. Die weinbauliche Zäsur infolge des Dreißigjährigen Krieges zeigt sich nicht nur in den Rahmenbedingungen. So kam es zunächst zur Produktion von billigeren Massenweinen, auch wegen der stärkeren Konkurrenz des Bieres, langfristig veränderte sich die Situation jedoch zu einem besseren Weinbau und Wein, dank der Weitsicht einzelner Weinfachmänner, neu gegründeter Fachinstitutionen und staatlicher Vorgaben, was sich unter anderem in sog. Musterweinbergen äußerte und im Anbau entsprechender Rebsorten widerspiegelte. Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Weinfachbücher, davon etliche Ampelographien, auf die verwiesen wird, aber auch in Fachveranstaltungen wird nach einem besseren Weinbau und Wein gestrebt. Und so konnten sich die meisten der heutigen Rebsorten ausbreiten und zum Anbau kommen, was eingehend beschrieben wird. Aber der Weg zum Qualitätsweinbau des 18. und 19. Jahrhunderts war dennoch lang und mühsam und die „Reputation der Württemberger Weine“ musste erst errungen werden. So wird im Kapitel 5 „Die Weinbauregion Württemberg im Vergleich mit ihren Vorbildern“ zunächst auf die Besitzstrukturen in Württemberg vom 14. bis ins 19. Jahrhundert eingegangen und an Beispielen dargestellt, diese aber auch verglichen mit der Situation in Frankreich, vor allem in Burgund und im Jura. Zusammenfassend werden die in Württemberg im angegebenen Zeitraum vorgefundenen und angebauten Rebsorten und der „Wandlungsprozess im Rebsatz und ihre Ursachen“ diskutiert. Der „Anhang“ enthält neben den ungedruckten Quellenangaben 219 gedruckte Quellen und 354 Literatur-Hinweise sowie einen Sach-, Orts- und Personenindex.

Das vorliegende Buch befasst sich nicht nur ausführlich mit Rebsorten in Württemberg, sondern betrachtet diese insgesamt vom Ursprung bis zum Wein und umspannt darüber hinaus weinbauliche Aspekte und den Weinhandel mit Vermarktungsstrukturen. Es ist leicht zu lesen, wenn man die teils umfangreichen 1380 Fußnoten nicht berücksichtigt, die jedoch eine zusätzliche und lesenswerte wertvolle Informationsquelle darstellen, so dass es jedem weinbaulich Interessierten auch außerhalb Württembergs wärmstens empfohlen werden kann.

Verfasser: Günter Schruft, Freiburg
Aus: Mitteilung 2/2009

Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie.

Jahrgang 56 (2008), Heft 1. DLG-Verlags-GmbH, Frankfurt/Main 2008. 116 Seiten. ISSN 0044-2194.
Themenschwerpunkt: Geschlechterperspektiven. Frauen in ländlichen Gesellschaften.

Mit den „Frauen in ländlichen Gesellschaften“ greift das vorliegende Heft ein Thema auf, das in der Agrargeschichte nach wie vor nicht zu den bevorzugten Forschungsfeldern zählt.
So gehört zwar der tief greifende Wandel, den die ländliche Gesellschaft vom Mittelalter bis zur Gegenwart im Zuge vielschichtiger Modernisierungs- und Technisierungsprozesse durchlaufen hat, bis heute zu den wichtigen agrarhistorischen Fragestellungen. Welchen Anteil allerdings Frauen an diesem Prozess hatten und wie sich der landwirtschaftliche Strukturwandel auf das Alltagsleben beispielsweise von Bäuerinnen auswirkte – darüber wissen wir noch immer relativ wenig.
In den drei Beiträgen dieses Heftes geht es um Beziehungen zwischen Mann und Frau, um Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit sowie die daraus resultierenden Geschlechterhierarchien. Dabei schlägt der Beitrag von Dorothee Rippmann zum Thema „Liebe, Geschlechterverhältnis und komplementäre Welten: Überlegungen zum Spätmittelalter“ nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich den weitesten Bogen. Die Autorin analysiert die Motive eines spätmittelalterlichen Bildteppichs aus dem oberrheinischen Raum, der die Arbeiten der Feldbestellung aus einer stadtbürgerlichen Perspektive darstellt.
Fürstin Ursula Schulde diskutiert am Beispiel der Kurfürstin Anna von Sachsen (1532 – 1585) den Beitrag von Frauen als Expertinnen vormodernen Agrarwissens.
Der Beitrag von Mathilde Schmitt zu den „Pionierinnen in Agrarstudium und Agrarforschung“ bietet einen inhaltlichen Anschluss an den Beitrag von Frau Schulde, als hier das agrarhistorische Expertenwissen an den Universitäten des frühen 20. Jahrhunderts thematisiert wird. Im Unterschied zu Anna von Sachsen, die aufgrund ihrer herausgehobenen ständischen Stellung schon Jahrhunderte früher Einfluss auf einen agrarhistorischen Expertendiskurs nehmen konnte, hatten es die ersten weiblichen Agrarexpertinnen an den männlich strukturierten Universitäten des frühen 20. Jahrhunderts schwer.

Verfasser: Gerhard Stumm
Aus: Mitteilung 2/2008

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.