Michael Matheus, Kelterstein und Sucellus
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- Kategorie: Schriften der GGW
Zur historischen Tiefe, Authentizität und Strahlkraft moselländischer Weinkultur.
Rudolf Nickenig im Gespräch mit Michael Matheus
Das Interview nimmt das 1976 in Kinheim-Kindel entdeckte römische Sucellus-Relief zum Anlass, um zentrale Aspekte und neue Perspektiven der Weinbau- und Weinkulturgeschichte an der Mittelmosel von der Antike bis ins 18. Jahrhundert zu skizzieren. Ausgangspunkt ist die archäologische und ikonographische Analyse des Reliefs, das Sucellus mit Schlägel, Fässern und einer bislang singulären Weintraubendarstellung zeigt und damit die religiöse wie wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus in der Region unterstreicht.
Auf dieser Basis werden archäologische Befunde eines römischen Gutshofs in Kinheim diskutiert und Möglichkeiten aufgezeigt, mit zerstörungsfreien Prospektionsverfahren (LiDAR, Magnetometrie, Geoelektrik, Bodenradar) nach einer zugehörigen Kelteranlage zu suchen. Die unsichere Datierung eines als Spolie geborgenen Keltersteins wird erörtert und in die lange Tradition der Weinverarbeitung an der Mosel eingeordnet.
Im Mittelpunkt steht die Reichsabtei Echternach als Besitzerin umfangreicher Weinberge und Höfe an der Mittelmosel, deren Fernbesitz in Winzerdörfern wie Kinheim, Kröv, Traben und weiteren Orten exemplarisch analysiert wird. Anhand von Urkunden (u. a. päpstliche Besitzbestätigung von 1148), spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bildquellen (Echternacher Goldenes Evangelienbuch, Zeichnungen Abt Johannes Bertels’ um 1600) sowie schriftlichen Zeugnissen zur Weinbereitung werden Kontinuitäten und Innovationen in Technik, Arbeitsorganisation und Handel herausgearbeitet.
Kinheim wird dabei als paradigmatisches Winzerdorf verstanden, das sich auf römischem Substrat entwickelte und zentrale Merkmale marktorientierten Weinbaus erfüllt. Der Beitrag plädiert für eine interdisziplinäre, epochenübergreifende Perspektive, die gesicherte Befunde von begründeten Hypothesen unterscheidet und so langfristige Entwicklungen der Weinbau- und Weinkulturgeschichte an der Mittelmosel erschließt.
Das Interview können Sie auch als gedrucktes Exemplar hier erwerben
Herausgeber: Gesellschaft für Geschichte des Weines, Wiesbaden 2026, 73 Seiten. ISBN 978-3-9829451-0-1.

