2026: Das Deutsche Weinwunder. Menü in sechs Gängen. In: Daniel Deckers, Josef Matzerath, Das Deutsche Küchen- und Weinwunder

Daniel Deckers, Das Deutsche Weinwunder. Menü in sechs Gängen. In: Daniel Deckers, Josef Matzerath, Das Deutsche Küchen- und Weinwunder. Gourmandise in Deutschland 1970 – 2025. [Band 1 der Reihen Kulinarische Ästhetik. Studien zur Geschichte des Kochens, Essens und Trinkens.] transcript Verlag Bielefeld 2025. Kart., mit farbigen Abb. 22,5 × 14 cm, 374 Seiten. 39,00 Euro. Zum selben Preis auch als PDF erhältlich.

Das Buch be- und verarbeitet eine große Zahl von Weinpublikationen, Archivtexten und Interviews mit Zeitzeugen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Der Autor spinnt detailgetreu für die und mit denen, die ihm lesend folgen, einen roten Faden und kann so überzeugend darlegen, auf welchen Wegen welche irrenden, wagemutigen, weitsichtigen und auch streitsüchtigen Menschen deutschen Weiß- und Rotweinen wieder den Ruf und Rang erkämpften, den sie europa- und weltweit schon einmal hatten. Dabei spielt die parallele Entwicklung der Gastronomie eine große Rolle, die den ersten Teil des Buches ausmacht. „Deutscher Wein – oft zum Weinen“ – so beginnt das erste Kapitel – pardon – der erste Gang, denn der Autor serviert uns seine tour d’horizon zum Sujet passend in sechs Gängen. Die Namen der Gänge sprechen für sich: „Einer muss den Anfang machen“ (Hugh Johnson und seine Weinatlanten), „Der Adler thront über allem?“ (die wechselvolle Geschichte des VDP, mit Exkursen zu den Skandalen um Flüssigzucker und Diethylenglykol), „Tanz um das Goldene Barrique“ (das deutsche Rotweinwunder mit seinen zarten Anfängen, ersten Holzfasserfahrungen und dem geteilten Echo aus einer darauf meist nicht gefassten und oft verständnislosen Konsumenten- und Pressewelt), „Das Beste aus Bordeaux und Burgund?“ (die Entwicklung hin zu Großen Lagen und Gewächsen, die Charta und die dreistufige Qualitätspyramide), und schließlich „Der Nabel der Weinwelt?“ (die neuen Weinbörsen und die Zäsur von 1990).

Der Autor schaut in den Spiegel und schreibt: „Aber mémoire und histoire fallen selten in eins. Historiker kommen daher nicht selten als Spaß- und Spielverderber daher, zumindest vordergründig. Dabei ist die Geschichte, wie (sie, d. Verf.) sich wirklich zugetragen hat (wenn man dies überhaupt sagen kann), nicht unbedingt schöner als die schönen Geschichten, die man sich so gerne erzählt. Aber bei näherem Hinsehen ist sie oft spannender und wird dabei auch den Menschen gerechter, die sich mit ihren Weinen (d. Verf.) in die Geschichte der deutschen fine wines eingeschrieben haben“ (S. 295). Die Spannung beim näheren Hinsehen teilen wir beim Lesen mit ihm, und den Menschen unserer Weinwelt wird er aus der Sicht des Rezensenten gerecht.

Lesen Sie selbst – Sie brauchen nur Wissbegierde, Empathie, Geduld und voraussichtlich einige gute Tropfen.

Leo Gros, Johannisberg