2026: Das Wallis und seine Weinetiketten / Le Valais et ses étiquettes de vin

Simon Roth / Nikolaus Bodenmüller: Das Wallis und seine Weinetiketten / Le Valais et ses étiquettes de vin. Editions Monographic SA, CH-3960 Sierre, 2025. 200 Seiten. Zweisprachig: Französisch-Deutsch. ISBN: 978-2-88341-345-0. 50,00 CHF. 

Die beiden Autoren, Nikolaus Bodenmüller und der Historiker Simon Roth, haben im November 2025 ein umfassendes Werk zur mehr als 150-jährigen Geschichte der Walliser Weinetiketten vorgelegt. Beide sind ausgewiesene Kenner und führen den Reichtum dieser Sammlung anschaulich vor Augen. Die Auswahl bietet einen nahezu geschlossenen Überblick über Entwicklung und Vielfalt der Walliser Weinetiketten – „auch wenn die Vollständigkeit in diesem Bereich ein stets unerreich­bares Ziel bleibt“. Ungeachtet dessen macht das Buch Walliser Weinetiketten in großer Breite als kulturhistorische Quelle und grafisches Erbe zugänglich. 2018 übergab der Sammler Nikolaus Bodenmüller der Mediathek Wallis mehr als 100.000 Weinetiketten aus dem Wallis aus seiner über 500.000 Etiketten umfassenden Privatsammlung. Aus diesem Bestand wurde nun eine sorgfältig kuratierte Auswahl für das vorliegende Buch zusammengestellt.

In neun thematischen Kapiteln spannt der Band den Bogen von den Anfängen des Etiketts und der Rebsortenwelt über historische Motive und regionale Archetypen bis zu großen Kellereien, Künstleretiketten und Serien. Simon Roth, wissenschaftlicher Bibliothekar der Mediathek Wallis, widmet sich im ersten Kapitel dem Thema „Das Weinetikett – Zeitzeuge aus Papier“. Er zeigt auf, dass die „ersten Walliser Etiketten (…) im Vergleich zu den bereits etablierten Waadtländer Exemplaren bescheiden (waren)“ (S. 20). Weinetiketten sind eben mehr als eine Illustration auf der Flasche: Sie erzählen Geschichte. Das erste Kapitel erzählt anschaulich die Anfänge der Etikettengestaltung und die Möglichkeiten der Drucktechnik. Als Vergleichsbeispiele werden unter anderem frühe mehrfarbige Etiketten aus Deutschland (um 1810) sowie Etiketten aus dem Rheingau (um 1885) erwähnt, bei denen man Farbdetails auf eine Lackschicht aufgetragen hat 

Besonders überzeugen die Auswahl und die Qualität der Abbildungen: Man kann sich in die Etiketten richtig „hineinsehen“. Kurze, gut verständliche Erläuterungen zu den Etiketten schärfen den Blick ohne zu belehren. Den Abschluss bildet ein Interview mit dem Sammler Nikolaus Bodenmüller über die Ursprünge und die Entwicklung seiner Sammelleidenschaft. Ein Literatur- und Bildquellenverzeichnis rundet den Band ab. Der Band bewegt sich überzeugend zwischen Bildband und kulturhistorischer Dokumentation. Er ist nicht nur Dokumentation, sondern auch ein ästhetisches Erlebnis. Verarbeitung und Ausstattung – Fadenheftung, Einband und die Vielzahl an Abbildungen – machen ihn zu einem Sammlerstück für Weinliebhaber, Grafikfreunde und alle, die sich für die Geschichte und Identität des Wallis und seines Weinbaus interessieren.

Klaus Veit, Schlierbach (CH)