2026: Économie du vin

Jean-Marie Cardebat: Économie du vin. Neue Auflage August 2025, Paris, Taschenbuch, Éditions de la Découverte. 127 Seiten. 11,00 Euro. 

Die Neuauflage der Économie du vin von Jean-Marie Cardebat, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bordeaux, ist eine erfrischende Lektüre. Zum einen überzeugt diese „Weinwirtschaft“ aus der Feder eines ausgewiesenen Experten für internationale Weinvermarktung durch präzise Sprache und klaren Aufbau. Zum anderen nimmt sie nicht nur die Welt der Spitzengewächse in den Blick, sondern die gesamte Breite der Weinproduktion. Besonders wohltuend hebt sich das Werk durch seinen positiven Grundton von den zahlreichen Kassandrarufen ab, die derzeit die Debatten über die Zukunft der Weinwirtschaft und -kultur prägen.

Cardebat verkennt keineswegs die Vielzahl an Herausforderungen, mit denen die Branche aktuell konfrontiert ist – ganz im Gegenteil. Doch seine historisch wie international fundierte Perspektive ermöglicht es ihm, die gegenwärtigen Entwicklungen differenziert zu analysieren und einzuordnen. Seine zentrale Botschaft lautet: Krisen in der Weinwelt kehren zyklisch wieder, auch als Folge der allgemeinen weltwirtschaftlichen Lage. Die Vernichtung von Produktionsmitteln durch Ausstocken sei daher eine unglückliche Reaktion, da sie die Teilhabe am nächsten Aufschwung verhindere und betroffene Weinregionen dauerhaft schwäche. Hier geht es dem Autor ums Prinzip, da er auf Instrumente wie die z. B. vom DWV vorgeschlagene Rotationsbrache nicht eingeht.

Mit seiner Diagnose der aktuellen Krise als Absatzkrise steht Cardebat natürlich nicht alleine da. Er betont jedoch, dass sie teilweise das Ergebnis früherer Entscheidungen ist – Entscheidungen, die in einer Phase neu justiert werden sollten, in der sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite große Umbrüche stattfinden (neue Wein­regionen, Klimawandel, Wandel der Konsumgewohnheiten, Feminisierung des Konsums u. a.). „Es gilt, eine neue Verbindung zwischen Wein und jungen Menschen herzustellen, dem Wunsch der Verbraucher nach Wohlbefinden und Gesundheit gerecht zu werden und die Authentizität der Winzer zu unterstreichen. Angesichts des Handelskrieges müssen auch die Exportziele neu definiert werden. (…) Wir wagen es, die Konturen dieses nächsten Zyklus anhand von zwei Schlüsselbegriffen zu skizzieren: Nähe und Gesundheit“ (S. 60).

Wie fruchtbar es sein kann, sich der Zukunft zuzuwenden statt an den Erfolgen der Vergangenheit festzuhalten, illustriert Cardebat am Beispiel Italiens: Das Land hat Frankreich jüngst im Produktionsvolumen überholt und dürfte dies bald auch im Umsatz­volumen tun. Besonders verweist der Autor auf die erfolgreiche Prosecco-Vermarktung, die z. B. mit Aperol Spriz ein Getränk auf Weinbasis neu in den Konsumgewohnheiten – nicht nur der jungen Generation – verankert hat.

Über die Analyse der aktuellen Lage hinaus bietet das Buch eine Fülle an Details zu Mechanismen und Akteuren der Weinwirtschaft. Sie sind nicht nur für Fachleute, sondern auch für interessierte Weinfreunde und Weinfreundinnen erhellend und erinnern daran, wie vielseitig und faszinierend die Welt des Weins doch ist.

Karoline Knoth, Meursault

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