Reitz, Leopold (1889 – 1972)

Leopold REITZ, Lehrer, Schriftsteller

* 24.06.1889 in Böbingen/Pfalz
† 19.08.1972 in Neustadt a.d.W.

 

Wichtige biographische Daten:

  • Sohn einer Winzerfamilie; verheiratet seit 1917, Sohn und Tochter
  • Lehrer seit 1907; ab 1.7.1921 in Neustadt an der Haardt (später Neustadt an der Weinstraße), dort Hauptlehrer
  • Vorsitzender des Literarischen Vereins der Pfalz von 1929 – 1933
  • Entnazifizierung I 1946; Entlassung aus dem Schuldienst; Entnazifizierung II 1949; Einstufung als Mitläufer; Rückkehr in den Schuldienst
  • Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 24.06.1959 (zum 70. Geburtstag)
  • Weitere Ehrungen: Pfalzpreis für Literatur (1963); Goldene Bürgermedaille der Stadt Neustadt an der Weinstraße (1966); Deutscher Weinkulturpreis mit der Goldenen Traube (1969)

Leopold Reitz machte sich als Heimatdichter einen Namen und wurde zu einer lokalen literarischen Größe als gefeierter Redner und Weininterpret. Er schrieb zahlreiche heimatkundliche Werke, Festspiele zum Deutschen Weinlesefest in Neustadt a.d.W. und Hörfolgen zum Thema Wein für den Rundfunk. Dazu Dutzende Artikel in Zeitungen oder literarischen Zeitschriften. Praktisch alle spielten in seiner näheren und weiteren Heimat und beschäftigten sich viel mit Wein und lokalen Ereignissen. 

R. durchlebte vier völlig unterschiedliche politische Systeme. Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittes Reich und die parlamentarische Demokratie nach dem 2. Weltkrieg. Er machte im 3. Reich Karriere. In der SA seit 1934 brachte er es zum Truppführer. NSDAP-Mitglied wurde er 1937, als die SA-Männer „aufgefordert“ wurden, in die Partei einzutreten. Dazu war er Ortsgruppenleiter im „Kampfbund für deutsche Kultur in der Westmark“ und ab April 1943 Städtischer Kulturreferent von Neustadt als „Ehrenbeamter“.

Seine Entnazifizierung endete nach Widerspruch 1949 mit der Einstufung als Mitläufer. 1954 war er Mitbegründer der Weinbruderschaft der Pfalz, ihr Ordensmeister bis 1972. Nach dem Krieg wurden von ihm mehr als 75 Texte in verschiedenen Zeitschriften bekannt, vielfach mit Wein als Thema.

 

Veröffentlichungen/Bücher:

  • Der Weinpfarrer von Wachenheim, 1938. − Das Weinstraßenbuch, 1960. − Pfälzische Weinkantate, 1955. − Deutsche Weinkantate, 1957. „Geschichten vom Kindelsbrunnen“, der „Schelm Schinderhannes“ oder „Der Jäger aus Kurpfalz“

 

Literatur:

  • Haß, Ulrike: Vom „Aufstand der Landschaft gegen Berlin“. In: Weyergraf, Bernhard: Literatur der Weimarer Republik 1918 – 1933. München 1995. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur. Bd. 8. S. 340 – 370.
  • Ketelsen, Uwe-Karsten: Völkisch-nationale und nationalsozialistische Literatur in Deutschland 1890 – 1945. Karl Otto Conrady zum 50. Geburtstag am 21. Februar 1976. Stuttgart 1976.
  • O.A.: Umbenennungen. Leopold-Reitz-Weg. https://www.gedenkstaette-neustadt.de/umbenennung/leopold-reitz-weg. Aufgerufen am 06.05.2026. 
  • Raasch, Markus: Reitz, Leopold. https://neustadt-und-nationalsozialismus.uni-mainz.de/lexikon/reitz-leopold. Aufgerufen am 11.04.2026. 
  • Schumann, Fritz: Reitz, Leopold. In: Claus, Paul und Mitarbeiter (Hrsg.): Persönlichkeiten der Weinkultur Deutscher Sprache und Herkunft. Wiesbaden 1991. Schriften zur Weingeschichte Nr. 100.

Jochen Hamatschek, Landau, Mai 2026