Witte, Hedwig (1906-1991)

WITTE, Hedwig, geb. Schmidt, Rheingauer Heimatdichterin. * 5.6.1906 in Eltville, † 20.4.1991 in der Klostermühle in Kiedrich. Va.: Fritz Schmidt, Winzer, Weinhändler und -kommissionär (1871−1933); Mu.: Meta Kohlhaas (1879−1954). verh. 16.3.1933 mit Rudolf Witte, 2 Kinder.

Ihre Vorfahren waren Erbbeständer (Pächter) der seit 1218 zum Kloster Eberbach gehörenden Mahlmühle am Stadtrand von Eltville. Nach der Säkularisation (1803) von der Familie käuflich übernommen, wandelte sich das Anwesen in ein Weingut mit Weinkellerei und Kommissionsgeschäft. Hier hat sie als "Rheingauerin und Winzerin mit liebevollen Augen Gegenwart und Vergangenheit, Leben und Treiben ihrer Umwelt durchforscht, das Geschaute beherzigt und sich vom Herzen geschrieben, damit es das Herz ihrer Mitwinzer wie auch aller Freunde des Rheingaus und seines Weines anspreche und zu den alten Freunden neue gewinne" (aus dem Vorwort zu "E fein Wein'che"). Seit Ende der 50er Jahre veröffentlichte sie allwöchentlich in der Zeitung unter dem Titel "Was gebb eich for mei dumm Gebabbel" in Rheingauer Dialekt ihre Betrachtungen als "Euer Lisbethche". Brauchtum und Sprache des Rheingauer Winzers zu erhalten und weiterzugeben, Tradition im Wortsinn, sah sie als ihre Lebensaufgabe. 1983 war sie Mitbegründerin des Rheingauer Mundartvereins und leitete ihn als 1. Vorsitzende. Ihre in den letzten zwei Jahrzehnten erschienenen Bücher sind eine Fundgrube für den Volkskundler und Sprachforscher, nicht zuletzt auch für die Weinbauterminologie. Die Liturgie des Rheingauer Erntedankfestes ist in Text und Gestalt ihr Werk. Der Rheingauer Weinbauverband ehrte sie mit dem "Goldenen Rieslingblatt", ihre Heimatgemeinde Kiedrich mit der Kulturplakette; sie erhielt den Ehrenbrief des Landes Hessen und das Bundesverdienstkreuz. 1953 wurde ihr Singspiel "Die Hallgartener Jungfer" als bestes Hessisches Volksstück ausgezeichnet.

Veröffentlichungen: Hessisch, wie es nicht im Wörterbuch steht. Frankfurt 1971. − Berühmte Rheingauer. Frankfurt 1984. − Was gebb eich for mei dumm Gebabbel. (Zusammenfassung) Frankfurt 1981. − E fein Wein'che. Frankfurt 1982. − Wie uns de Schnawwel steht, Frankfurt 1978 (2. Aufl.). − Wenns im Rheingau Winter wird. Frankfurt 1983. − Das Wunder im Weinfaß. Frankfurt 1981. − Die Traube-Les. Frankfurt 1980. − Wo's Sträuß'che hängt, werd ausgeschenkt (mit H. Ambrosi). Wiesbaden 1989 (5. Aufl.). − Der Städtische Weinschenk. Trittenheim 1982.

Literatur: Der Rheingau trauert um Hedwig Witte. Rheingau-Echo Nr. 17 vom 25.4.1991 (W. B.)

Autor: Sta.