
Vilem KRAUS, Prof. Ing. Rebenphysiologe und Rebenzüchter
* 30. Mai 1924 in Prag, Tschechien
† 7. Juni 2013 in Lednice, Tschechien
Vilém Kraus wurde am 30. Mai 1924 in Prag geboren. Im Jahr 1929 zogen seine Eltern nach Louny, wo er zuerst die Volksschule und danach das örtliche Realgymnasium besuchte. Nach der fünften Klasse des Gymnasiums schickten ihn seine Eltern in die Höhere Schule für Obst-, Wein- und Gartenbau in Mělník. Im Jahr 1949 begann er ein Studium an der Fakultät für Land- und Forstwirtschaft der Tschechischen Technischen Universität in Prag und wechselte nach dem ersten Staatsexamen an die Gartenbau- und Weinbaufakultät der Landwirtschaftlichen Hochschule in Brno. Bereits in seiner Diplomarbeit „Möglichkeiten der Hocherziehung in unseren Weinbaugebieten“ ging es um weinbautechnische und physiologische Fragen und die Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Traubenproduktion. Diese Themen sollten ihn sein ganzes Leben begleiten. Der Kontakt zur Praxis und Forschung für die Praxis war ihm sehr wichtig. Von 1955 bis 1964 arbeitete er an der Zuchtstation in Velke Zernoseky. 1960 reichte er seine Dissertation über „Die Historische Entwicklung des Nordböhmischen Weinbaugebiets und Rekonstruktionsvoraussetzungen“ an der Universität Brno ein und wurde promoviert. Von 1964 bis 1991 war er Leiter des Instituts für Weinbau an der Gartenbauliche Fakultät der Universität Brno in Lednice.
In Tschechien ist K. vor allem wegen seiner physiologischen Arbeiten und seiner ganzheitliche Sicht der Produktion bekannt. Dazu gehören auch von ihm gezüchtete Peronospora- und Oidium-tolerante Sorten, wie Neronet und Rubinet und die Unterlagssorte K-1. Neben Pilzresistenzen aus amerikanischen Wildformen, wie sie in der deutschen und französischen Rebenzüchtung zu der Zeit üblich waren, benutzte er bei seinen Kreuzungen auch Peronospora-Resistenzen aus der asiatischen Wildform Vitis amurensis, zu denen er durch Kontakte mit russischen Kollegen Zugang hatte. Aus einer von K. 1964 durchgeführten Kreuzung von Zarya Severa (Vitis amurensis Abkömmling) und St. Laurent selektierte Prof. Helmut Becker, aus ihm überlassenen Kernen, in Geisenheim die Sorte Rondo. Der Pollen weiterer V. amurensis-Abkömmlinge aus den Zuchtquartieren von Helmut Becker wurde von Norbert Becker am Weinbauinstitut Freiburg für Kreuzungen weiterverwendet. Hieraus entstanden Freiburger Sorten wie Bronner oder Solaris. So wurde durch K. Erbgut der Peronospora-resistenter asiatischer Wildformen in die Rebenzüchtung in Freiburg und Geisenheim eingeführt, was zu einer deutlichen Steigerung der Peronospora-Resistenz dieser Zuchtstämme führte. Im Gegenzug wurden auch Geisenheimer Sorten durch K.s Wirken in Tschechien getestet. So auch der Zuchtstamm Gm 322 58, der wegen seiner guten Weinqualität (Sauvignon blanc-Aromen) und hohen Winterfrosttoleranz in Tschechien zu den wichtigen neuen Peronospora-toleranten Sorten gehört. Wegen der hohen Frostresistenz erhielt sie dort den Namen Hibernal. K. ist auch deshalb in Deutschland bekannt, weil er hervorragend Deutsch sprach und schrieb. Bis ins hohe Alter führte er im großen Garten hinter seinem Haus in Lednice Kreuzungen durch und zog Sämlinge auf.
Das wichtigste Anliegen von K. war die Verbesserung der Situation des Weinbaus in Tschechien. K. hat an zahlreichen Büchern und Filmen mitgearbeitet und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine wissenschaftlichen Arbeiten.
Ehrungen:
- Goldmedaille der Mendel-Universität für Land- und Forstwirtschaft, Brno
- Silbermedaille der Masaryk-Universität
- Gedenkmedaille des Internationalen Büros für Rebe und Wein O. I. V. in Paris
- Gedenkmedaille für sein Lebenswerk für den Weinbau in der Tschechischen Republik
Rebsorten:
- Rubinet
- Neronet
- Unterlage K-1
Quellen:
- SVOBODA, Jaroslav. Dnes by oslavil 98. narozeniny Vilém Kraus, jeden z největších českých vinařů. Náš region. [Heute wäre der 98. Geburtstag von
Vilém Kraus gewesen, einem der größten tschechischen Winzer. Unsere Region.]
[online]. 30.05.2022. - https://www.rebeundwein.de/aktuelles/news/article-3934650-198999/prof-vilem-kraus-verstorben-.html
- https://brnodaily.com/2024/08/16/science/mendelu-faculty-of-horticulture-commemorates-life-and-work-of-professor-vilem-kraus/
- Persönliche Kontakte und Informationen von Fachkollegen
Bildquelle: © hs-gm
Autor: Ernst Rühl, Geisenheim, Oktober 2025

Dr. Wolfgang THOMANN, Weinpublizist
* 29. Juni 1948 in Tittmoning (Lkr. Traunstein)
† 27. Oktober 2019 in Winnenden
Wolfgang Thomann war Diplom-Mathematiker. Er wurde 1979 an der Technischen Universität Dresden mit einer Arbeit über die Programmierung von elektronischen Taschenrechnern promoviert. 1986 konnte er nach einem lang gestellten Ausreiseantrag die damalige DDR verlassen und fand in der Bundesrepublik eine Anstellung in der Datenverarbeitung der Eckes-Granini GmbH in Nieder-Olm.
Bereits in der Zeit der DDR wurde T. 1979 an der Volkshochschule Dresden Dozent für Weinthemen. Aus dem in diesem Zusammenhang entstandenen Kreis von Weinfreunden, der sich, da in der DDR private Vereinsgründungen nicht möglich waren, 1983 als Freundeskreis innerhalb des Kulturbundes der DDR etablierte, ging später der Erste Sächsische Weinkonvent e. V. (1990 – 2025) hervor.
Nach der Gründung der Deutschen Wein- und Sommelierschule des Gastronomischen Bildungszentrums Koblenz im Jahre 1996 unterrichtete T. dort. Seine thematischen Schwerpunkte waren die Ampelographie, speziell der pilzresistenten Sorten, und der Weinbau Mittel-, Süd- und Ost-Europas. Die dortigen Weinbaugegenden kannte er zu seiner Zeit wie kein anderer. Sie zu bereisen hatte er bereits in der Zeit des Sozialismus begonnen.
T. war Autor von Band 11 „Elbe/Saale-Unstrut“ des „Gesamtwerk deutscher Wein“ (Trittenheim 1991) und Mitherausgeber umfangreicher Nachschlagewerke wie dem „Europäischen Wein-Almanach“ (1990) und dem „Welt-Wein-Almanach“ (1992) sowie Mitarbeiter bei „Der Brockhaus Wein“ (Braunschweig 2005, 2. Aufl. Mannheim – Leipzig 2009), wo T. jeweils für die osteuropäischen Länder verantwortlich zeichnete. Er verfasste die Weinkapitel über die Ukraine, Georgien, Armenien und Aserbaidschan in der umfangreichen Dokumentation „Culinaria Russia“ (Potsdam 2006) und zahlreiche Beiträge in Fach- und Publikumszeitschriften zum Wein an Saale-Unstrut, an der Elbe, im ehemaligen Böhmen, in Slowenien, Polen und Rumänien. Hervorzuheben sind auch Beiträge zur Weinetikettenkunde der ehemals sozialistischen bzw. osteuropäischen Länder, die von 2006 bis 2008 in der Verbraucherzeitschrift „selection“ erschienen.
T. war Gründungsmitglied des Verbands deutschsprachiger Weinpublizisten „Weinfeder“ und Mitglied in der Fédération Internationale des Journalistes et Écrivains des Vins et Spiritueux (FIJEV). Von 2013 bis zu seinem Tod war er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats und von 2016 an des Vorstands der Gesellschaft für Geschichte des Weines e. V.
Seine Veröffentlichungen sind für die Geschichte des Weinbaus und der Weinwirtschaft in den ehemaligen sozialistischen Staaten vor und in der Zeit des Übergangs zur Marktwirtschaft von bleibendem historischen Wert. Die von ihm gesammelte Spezialliteratur zu diesem Bereich ist als Stiftung in die Bibliothek der Gesellschaft innerhalb des Bibliotheksbestands der Hochschule Geisenheim gekommen.
Quellen:
- Nachruf Dr. Wolfgang Thomann, in: Gesellschaft für Geschichte des Weines e. V. Mitteilung 3/2019, S. 3f.
- https://www.stadtwikidd.de/wiki/Erster_S%C3%A4chsischer_Weinkonvent (eingesehen 27.08.2025)
Veröffentlichungen (in Auswahl):
- Beiträge zur Programmierung und Architektur von elektronischen Taschenrechnern, Dresden, Techn. Univ. Diss. 1979
- [zusammen mit Rudolf Steurer] Europäischer Wein-Almanach. Das umfassende Nachschlagewerk zu den Weinen Europas: Weinsorten, Klassifikation, Anbaugebiete, Weinwirtschaft, Etiketten-Ansprache, Jahrgänge und Lagerfähigkeit, Wien – Frankfurt – Berlin 1990
- [zusammen mit Rudolf Steurer und Josef Schuller] Welt-Wein-Almanach, Wien – München – Zürich 1992, 2. Aufl. Bindlach 1997
Bildquelle: Adolf Suchy
Autor: Hans Reinhard Seeliger, Düsseldorf, August 2025

Otto KÖBLE, Diplomlandwirt, Abteilungsleiter (MinDirig a.D.)
* 23.04.1937 in Stuttgart
† 05.02.2016 in Bonn
⚭ Elisabeth Köble, geb. Stohr (1936 – 2023), 4 Kinder
Otto Köble wurde 1937 in Stuttgart geboren, wuchs in Talheim, Kreis Heilbronn, auf und besuchte dort in den Kriegsjahren die Volksschule und ab 1947 die Oberschule in Heilbronn. 1951 begann er eine Weinbaulehre an der Staatlichen Rebveredlungsanstalt in Lauffen am Neckar. Im Anschluss ging er zur Weinbauschule in Weinsberg. 1955 wurde der junge Winzer erfolgreicher Sieger im Berufswettkampf auf Bundesebene in der Sparte Weinbau. Erste berufliche Erfahrungen im Weinbau erzielte er als Verwalter bei der Freih. von Schorlemer´schen Gutsverwaltung in Lieser und beim Weingut E. Hinkel in Framersheim. Daran im Anschluss besuchte er die Höhere Weinbauschule in Bad Kreuznach. Mit dem Abschluss war die allgemeine Hochschulreife und die pädagogische Eignung für die Ausbildung von Lehrlingen verbunden. Von 1959 bis 1962 studierte er Agrarwissenschaften an der Universität Bonn. Nach dem Diplomexamen wurde er Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel-Saar-Ruwer e. V. und ab Gründung auch der Weinwerbung Mosel-Saar-Ruwer e. V.
Im Jahre 1965 wechselte K. ins Referat Wein-, Branntwein-, Hopfen-, Mineralwasser- und Teewirtschaft im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bonn, in dessen Diensten er 20 Jahre blieb. In Gremien der Europäischen Gemeinschaften wurde er zum Sprecher der deutschen Delegation in der Arbeitsgruppe „Wein“ beim Ministerrat und im Verwaltungsausschuss „Wein“ bei der Kommission. Damit war er mit der Ausarbeitung des europäischen Weinrechts befasst. So hat er z. B. Bundeskanzler Helmut Kohl beim EU-Gipfel 1982 in Dublin fachlich beraten. Die Dubliner-Beschlüsse zur Umsetzung einer Hektarertragsregelung in Deutschland sollten ihn sein weiteres Berufsleben begleiten.
In der Landesregierung von Rheinland-Pfalz wurden nach dem sogenannten Glykolwein-Skandal von 1985 organisatorische und personelle Konsequenzen gezogen. So kam es, dass K. unter Weinbauminister Dieter Ziegler zum Abteilungsleiter Weinbau im Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und Forsten berufen wurde. Zu den ersten Aufgaben der Landespolitik zählte es, das Vertrauen am Weinmarkt im In- und Ausland wiederherzustellen und damit die aufziehende Krise im rheinland-pfälzischen Weinbau abzuwenden. Als Abteilungsleiter war K. mit unterschiedlichen weinbaupolitischen Themen in der Landesregierung befasst.
Nachdem der Leiter der Abteilung Landwirtschaft im MWVLW in den Ruhestand verabschiedet wurde, wurden die Abteilungen Landwirtschaft und Weinbau zusammengeführt. Die Leitung der neuen Abteilung wurde ab dem 15.07.1997 K. übertragen. Derartige Änderungen in der Organisation stellen an die Führungskräfte hohe Anforderungen. Einfühlungsvermögen und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren gefragt. Die räumliche Trennung der Dienstgebäude erschwerte die Führung der Mitarbeiter und Synergieeffekte sowie der erkennbare Nutzen waren gering. Die zusätzliche Arbeitsbelastung hat K. mit dem ihm eigenen Verständnis von Pflichterfüllung gemeistert.
Von 1987 bis 2001 war K. Vorsitzender des Forschungsrings des Deutschen Weinbaus (FDW) bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Der Forschungsring koordiniert die angewandte Forschung in allen Bereichen der Weinwirtschaft, insbesondere der weinbautreibenden Bundesländer mit ihren Versuchs- und Forschungseinrichtungen. Ziel des FDW ist eine abgestimmte Umsetzung der Forschungsfinanzierung der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Für seine Verdienste im Forschungsring wurde K. 2001 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seine Stimme hatte aufgrund seiner ruhigen Art, seiner Erfahrung und seinem Realitätssinn Gewicht. Ferner durfte er in zahlreichen Gremien des nationalen und internationalen Weinbaus und der Weinwirtschaft mitwirken.
Seinen Ruhestand verbrachte K. mit seiner Frau Elisabeth in Bonn. Sie nutzten die gemeinsame Zeit für umfangreiche Reisen in der Welt.
Quellen:
- Mitteilungen der Familie
Bildquelle: Privat
Autoren:
Johannes Büchel, Mainz
Friedhelm Leimbrock, Mülheim an der Mosel
August 2025

Carl Ludwig HELLRUNG – Weinschriftsteller und Kartograph
* 20. Februar 1794 in Duderstadt
† 6. Januar 1851 in Duderstadt
Vater: Georg David Hellrung
Mutter: Maria Anna, geborene Keseling
⚭ (unbekannt)
Carl Ludwig Hellrung wurde vermutlich am 20. Februar 1794 in Duderstadt geboren, das bisher angegebene Datum, der 21. Februar, war der Tag seiner Taufe. Er besuchte eine weiterführende Schule und schloss sein Studium mit dem Doktorgrad in Philosophie (Dr. phil.) ab. Im Dritten Infanterieregiment der Elblandwehr nahm er an den Befreiungskriegen teil und bekleidete in den Schlachten von Ligny und Wavre bei Waterloo den Rang eines Hauptmanns.
Ab den 1830er-Jahren veröffentlichte H. neben lokalgeschichtlichen Studien auch politische und militärische Schriften. Er trat als überzeugter Befürworter einer deutschen Einigung unter preußischer Vorherrschaft auf. Ab 1837 wandte er sich dem Thema Wein zu – ein Interesse, das sich auch in seinem Pseudonym Boisvin widerspiegelte.
Zwischen 1837 und 1839 veröffentlichte H. den Atlas der vorzüglichsten Weinländer in Europa. Auf 24 Blättern im Format 38,5 × 49,5 cm umrahmt ein erläuternder Text in deutscher Sprache eine zentrale topografische Karte, eingefasst von Spalten mit einer Klassifikation. H. griff dabei auf Text und Klassifizierung der berühmten Topographie de tous les vignobles connus von André Jullien zurück. Die Herkunft der kartografischen Vorlage ist unbekannt. Die Darstellung als Serie erlaubte einen größeren Maßstab und die detaillierte Individualisierung bedeutender Einzellagen in den jeweiligen Weinbaugebieten. Diese Karten sind die frühesten bekannten Weinbaukarten, die eine qualitative Hierarchisierung der regionalen Weinproduktion visuell darstellen: Orts- und Lagennamen wurden – vermutlich von Hand – in fünf verschiedenen Farben unterstrichen.
Mit der Karte der Weinbaugebiete der Mitgliedstaaten des Zollvereins von 1846 verband H. Weinbau und Politik auf einer topografischen Karte.
Trotz profunder Kenntnisse der französischen Sprache und der französischen Weinkultur – unter Beweis gestellt etwa in einer Monografie über den Champagner – war H. kein Bewunderer Frankreichs. Seine Veröffentlichung Die Schlacht der Weine bei Château Hougomont von 1840 verknüpfte sein Interesse an Wein und Militärgeschichte mit einer Kritik am deutschen Außenhandelsdefizit im Weinhandel, ergänzt durch konkrete Verbesserungsvorschläge. Sollte die Schlacht von Waterloo das Szenario inspiriert haben, wäre der Titel eine kaum verschleierte Anspielung auf den Weiler Hougoumont.
Im Jahr 1846 gründete Hellrung mit Noah die erste deutsche Weinzeitschrift, die jedoch noch im Gründungsjahr wieder eingestellt wurde. Sein Wirken blieb materiell erfolglos, und es bleibt noch zu erforschen, inwieweit es nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Weinliteratur und der Weinkartografie nehmen konnte.
Veröffentlichungen (den Wein betreffend):
- Atlas der vorzüglichsten Weinländer in Europa, Rubach’sche Buchhandlung, Magdeburg 1837 – 1839.
- Conversationslexicon für Weintrinker und Weinhändler, hrsg. von Carl Ludwig Hellrung unter Mitwirkung mehrerer Weinhändler und anderer Wein-Autoritäten, 2 Bde., Magdeburg 1838.
- Der Champagner: eine Reise-Bericht zum Nutzen u. Frommen aller Weintrinker, Leipzig 1840.
- Die Schlacht der Weine bei Château Hougomont am 18. Juni 1840, Mannheim 1840.
- Karte des Weingebiets in den Zollvereins-Staaten, J. Walch, Augsburg 1846.
- Noah. Monatsschrift für deutschen Weinbau, Weinhandel und Weingenuss, Bde. 1 – 12, Koblenz 1846.
Quellen:
- Informationen des Stadtarchivs Duderstadt, Anfrage 14.04.2025
- Jaeger, Julius: Festschrift zur 600jährigen Feier des Bestehens der Schützengesellschaft und des Schützenhofes der Stadt Duderstadt, Duderstadt 1902.
- Keindorf, Gudrun: Als der Erde Schooss den Teut geboren ... Zum 150. Todestag von Carl Ludwig Hellrung. In: Monatszeitschrift Das Eichsfeld 1 (2001), S. 10 – 13.
- Opfermann, Bernhard: Gestalten des Eichsfeldes. Ein biographisches Lexikon, Heiligenstadt, 2. erweiterte und bearbeitete Aufl. 1999.
- Woschek, Heinz-Gert: Weinliteratur im Wandel, Schriften zur Weingeschichte 183, Wiesbaden 2014.
Bildquelle: S. Kästner, Heimatmuseum Duderstadt
Autorin: Karoline Knoth, Meursault,Oktober 2024

Dr. Carl JUNG jun. – Weinhändler, Pionier der Entalkoholisierung
* 17. Mai 1878 in Lorch (Rheingau)
† 18. August 1965 in Rüdesheim am Rhein
Carl Jung erhielt seine schulische Ausbildung am Konvikt in Montabaur, welches er 1898 mit dem Abschluss der Hochschulreife verlassen konnte. Passend dazu hatte er anschließend den Wunsch, Priester zu werden und begann das Studium der Theologie in Münster. Doch am Ende kam es anders. J. wechselte nach Tübingen und inhaltlich zur Staatswissenschaft, wo er im Sommer 1902 auch promoviert wurde. Anschließend kehrte er in den Rheingau zurück, um im Lorcher Familienbetrieb mitanzupacken.
Dort hatte die Familie bereits im Jahr 1823 mit dem Weinbau begonnen. J.s Vater (ebenfalls Carl) hatte den Beruf des Küfers erlernt und wurde später Winzer im Vollerwerb. 1868 gründete er ebenfalls in Lorch die Firma Carl Jung als Weinhandlung mit angeschlossener Brennerei. Bei Verkauf ihrer Weine erhielten die Jungs im Laufe der Jahre immer wieder Absagen, da die potenziellen Käufer aus Gesundheitsgründen abwinken mussten. Um diesem Trend entgegen wirken zu können, reifte die Idee, dem Wein den Alkohol einfach zu entziehen, damit er ohne dessen schädliche Wirkung genossen werde könne. Was auf den ersten Blick so einfach klingt, erschien den meisten Zeitgenossen zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch als völlig absurder Plan.
Carl (junior) machte die Entalkoholisierung folglich zu seinem Projekt und er war es dann auch, der später als Pionier der Entalkoholisierung von Weinen in die Geschichte eingehen sollte.
Im heimischen Betrieb begann er mit praktischen Versuchen zur Entalkoholisierung von Weinen. Inspiriert von einem Bericht über eine Bergsteigermission im Himalaja, wo er lesen konnte, dass sich mit zunehmender Höhe die Siedetemperatur des Wassers von 100 auf 70 °C senkte, versuchte er dem familieneigenen Riesling seinen Alkohol zu entziehen. Schnell erkannte er jedoch, dass dies nur unter Vakuum möglich ist. Dadurch ließ sich die Destillationstemperatur so weit senken, dass ein störender „Kochgeschmack“ vermieden wurde. Gleichzeitig musste seine Apparatur aber auch so konstruiert werden, dass die unterschiedlichen Flüchtigkeiten von Alkohol und Aromastoffen genutzt werden konnten. Zum bestmöglichen Geschmackserhalt des Weins sollen nämlich beide möglichst getrennt voneinander aufgefangen und die Aromenfraktion hernach dem entakoholisierten Wein wieder zugeführt werden. Dies ermöglicht eine schonende Entalkoholisierung ohne größere Aromenverluste. Damit hatte er ein damals komplett neues Verfahren entwickelt. 1907 war es dann so weit, Jung konnte seine Erfindung beim kaiserlichen Patentamt einreichen, welche dort mit der Nummer 204595 patentiert wurde. In der Beschreibung wurde betont: „Dieses Verfahren hat den Zweck, aus Wein ein alkoholfreies Getränk zu erzeugen, das in Aussehen, Geschmack und Blume dem Naturwein möglichst ähnlich ist.“ Im Folgenden wurde das technische Verfahren erläutert, bei dem der Wein mittels Vakuumdestillation „entgeistet“ wurde. Und da er dabei teilweise bekannte Verfahren benutzte, wurde klargestellt: „Das Neue und den Gegenstand vorliegender Erfindung bildende Merkmal ist daher lediglich der vom Erfinder eingeschlagene eigenartige Weg zur Gewinnung und Abscheidung der Aromastoffe.“
Doch die weitere Entwicklung war alles andere als ein Selbstläufer. Wiederholt wurde die Firma Jung mit Klagen überzogen. Bis 1939 gab es allein acht Gerichtsurteile, in den festgeschrieben wurde, dass der Begriff „alkoholfreier Wein“ nicht irreführend sei. Einleuchtend hieß es: „Dieser Begriff ist aber auch nicht widersprüchlicher als ein koffeinfreier Kaffee, entrahmte Frischmilch, oder gegorener Most.“ Gleichzeitig lieferte der zunehmende Verkaufserfolg den Jungs auch die Bestätigung, dass sie wirtschaftlich auf dem richtigen Weg waren. Weltgeschichtliche Ereignisse, wie die Prohibition in Amerika während der 1920er und 1930er Jahre, trugen dazu bei.
Kurz darauf, im Jahr 1939 folgte der Wechsel des Unternehmens nach Rüdesheim. Dort konnten die Jungs dank ihrer erfolgreichen Geschäfte die repräsentative Boosenburg erwerben, wo zuvor die traditionsreiche Weinhändlerfamilie Sturm ihren Geschäften nachgegangen war. Dort bezogen die Jungs fortan auch ihren Wohnsitz und sind seitdem ein Rüdesheimer Unternehmen. J. blieb zeitlebens eng mit der Firma verbunden und arbeitete bis zu seinem Tode aktiv in der Geschäftsleitung mit. Bereits im Jahr 1950 hatte sein Sohn Hans Otto die Geschäftsführung übernommen.
Ansonsten war J. ein überaus vielseitig interessierter und begabter Mann. So galt er auch als ausgesprochener Liebhaber der Kammermusik und organisierte insbesondere in den 1920er Jahren in Lorch zahlreiche Konzerte. Und auch nach dem Umzug in die Rüdesheimer Boosenburg blieb er ein großer Liebhaber der Musik und verband dies mit einer überaus repräsentativen Haushaltsführung.
Bemerkenswert ist auch seine persönliche Verbindung zu Karl May. Bereits als Schüler hatte er dessen Bücher verschlungen und einen Briefkontakt mit dem berühmten Autor begonnen. Es folgten persönliche Treffen in Radebeul und Lorch, bevor der Kontakt nach der Jahrhundertwende langsam wieder einschlief.
Während der Zeit des Dritten Reiches galt J. den Nationalsozialisten als politisch unzuverlässig und musste zeitweise sogar für mehrere Monate in Haft. Glücklicherweise überlebte er – ebenso wie die Rüdesheimer Firma – die Zeit des Zweiten Weltkrieges weitestgehend unbeschadet, so dass er nach 1945 den eingeschlagenen Weg fortsetzen konnte und sich weiterhin um die Förderung alkoholfreier Weine und Sekt kümmern konnte. Im Jahr 1961 erhielt er für seine vielfältigen Verdienste das Bundesverdienstkreuz. J. starb am 18. August 1965 in Rüdesheim, wo noch heute auf dem Friedhof ein Grabstein an einen der bedeutendsten Rheingauer Pioniere des 20. Jahrhunderts erinnert.
Quellen
- Firmenarchiv Dr. Carl Jung, Rüdesheim
Auskünfte der Familie - Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Autor:
Oliver Mathias, Geisenheim, Juni 2025

