Schoene, Renate (1945-2013)

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Renate Schoene

Renate SCHOENE – Dipl.-Bibliothekarin, Bibliotheksamtsrätin.
* 30.3.1945. † 12.2.2013.

Nachruf:
Kurz nach der jährlichen Gemeinschaftssitzung von Vorstand und Wissenschaftlichem Beirat, an der sie als dessen langjähriges Mitglied im November noch teilgenommen hatte, erreichte uns im Dezember vergangenen Jahres die Nachricht, dass Frau Schoene schwer erkrankt sei. Man hatte einen besonders aggressiven Tumor gefunden und ihr und uns allen war klar, dass sie wohl nicht mehr lange leben würde. Es ging dann auch alles sehr schnell. Am 12. Februar 2013 verstarb sie.
Die Gesellschaft für Geschichte des Weines hat ihr sehr viel zu verdanken, erarbeitete sie doch die angesehene und im Internet viel benutzte „Bibliographie zur Geschichte und Kultur des Weines“. Renate Schoene übernahm diese Aufgabe im Jahre 1971. Als Diplombibliothekarin war sie dafür prädestiniert. Im Zusammenhang einer Bonner Ausstellung über den „Wein in Geschichte und Gegenwart“, an der Frau Schoene mitgearbeitet hatte, war diese Idee der Bibliographie von unserem damaligen Präsidenten, Prof. Dr. Helmut Arntz, und dem damaligen Geschäftsführer, Dr. Karl Fill, entwickelt worden. Es wurde eine Kooperation zwischen der Gesellschaft und der Universitätsbibliothek Bonn begründet, wo Frau Schoene beschäftigt war. Dr. Fill, im Hauptberuf Direktor des Naturkundemuseums in Wiesbaden und Schöpfer der Deutschen Dezimalklassifikation, eines Ordnungssystems für Bibliotheken, entwickelte die Grundlinien der Gliederung, nach der sie arbeitete. In der zunächst gedruckten Form war es eine systematische Bibliographie. Das Grundwerk erschien als Publikation unserer Gesellschaft 1976. Es war eine ungeheure Fleißarbeit.
Zum großen Leidwesen von Frau Schoene musste die Universitätsbibliothek nach dem Erscheinen des 1. Supplementbandes im Jahre 1978 die aktive Unterstützung der bibliographischen Arbeit einstellen, d.h. Frau Schoene wurde dafür nicht weiter mit einem Teil ihrer Arbeitszeit freigestellt, auch wenn sie die technischen Hilfsmittel der Bibliothek weiter dafür nutzen konnte. Sie war eine äußerst exakt arbeitende Frau und galt als Spezialistin für schwierige Fälle, insbesondere bei der Katalogisierung von Büchern des 16. und 17. Jahrhunderts mit ihren oftmals so umständlichen, schwierigen Titeln. Neben der Weinbibliographie verfasste sie auch zahlreiche bibliotheksfachliche Beiträge. Wie bei vielen Bibliothekaren, die ich kennengelernt habe, ging das einher mit einer etwas trockenen Art. Beruflich schaffte sie es bis zur Bibliotheksamtsrätin, der höchsten Stufe des gehobenen Dienstes.
Die Weiterarbeit an der Bibliographie nach 1978 fand allerdings in ihrer Freizeit statt. Sie erarbeitete noch zwei weitere Supplemente (1982 und 1984 erschienen) und eine aktualisierte zweite Auflage des Gesamtwerkes, die der auf Bibliographien spezialisierte Verlag K. G. Saur 1988 verlegte. Das Werk umfasste 14713 Titel und kostete 380 DM, war aber kein besonders großer Erfolg. Die heraufziehenden Möglichkeiten der Datenverarbeitung und des Internets beurteilte Frau Schoene zunächst recht skeptisch, später konnte sie sich gut darauf einstellen und nutzte all dies kräftig. 1996 hatten erste Überlegungen begonnen, die Bibliographie zu digitalisieren und schließlich gelang es nach gemeinsamen Anstrengungen unserer Gesellschaft und des Bundeslandwirtschaftsministeriums, die Bibliographie auf den Servern der damaligen Zentralstelle für Agrardokumentation (ZADI) – inzwischen aufgegangen in die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) – im Internet nutzbar zu machen.
Nach der Pensionierung von Frau Schoene am 31. Mai 2005 wurde die Bibliographie zu ihrer Hauptbeschäftigung. Sie hat daran bis vier Tage vor ihrem Tode gearbeitet. Der letzte von ihr aufgenommene Titel, die Nr. 29857, wurde am 9. Februar 2013 verzeichnet und ist ein Heft von Achim Blau und unserem Mitglied Rudolf Nickenig über das aktuelle Weinrecht. Bei unserem letzten Telefongespräch im Januar sagte sie mir, dass sie hoffe, noch den 30000. Titel aufnehmen zu können. Dazu ist es nicht mehr gekommen.
Für ihre Verdienste verlieh ihr die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Jahre 2010 die Professor-Niklas-Medaille in Silber, die auf dieser Stufe für wissenschaftliche Leistungen im Bereich der Agrarforschung vergeben wird und nach dem ersten Landwirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland benannt ist. Unsere Gesellschaft würdigte das Schaffen von Frau Schoene durch die Ernennung zum Ehrenmitglied im Jahre 2012. Dieses Jahr war sie vierzig Jahre Mitglied unserer Gesellschaft. Als wir von ihrem Tod erfuhren, war die entsprechende Ehrenurkunde schon im Druck.
Nach meinem Eindruck hat Frau Schoene kein leichtes Leben gehabt. Alle, die sie kannten, wissen, dass sie seit ihrer Geburt behindert und ein Stück entstellt war. Es fällt nicht schwer zu erahnen, dass man der fünf Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs Geborenen nicht die medizinische Versorgung hat zukommen lassen können, wie sie nötig und damals auch schon möglich war. So lastete auf ihrem Leben eine deutliche Tragik. Familie und nahe Verwandte hatte sie zudem nicht. Sie engagierte sich freilich in der evangelischen Gemeinde von Bonn-Auerberg, wohl auch, wie Alt-Superintendent Rolf Schleßmann, der sie über lange Jahre bis zu ihrem Tode begleitete, in seiner Traueransprache sagte, weil da die Behinderung nie eine Rolle spielte. Dies galt sicher auch für unseren Kreis. Gewiss: Sie hatte Ecken und Kanten, doch wir werden sie als hoch engagierte, diszipliniert und unermüdlich arbeitende Frau in Erinnerung behalten, deren Arbeit wir fortführen wollen, und die auch gern an unseren Tagungen teilnahm. Sie möge ruhen in Frieden.

Ehrungen:
• 18.2.2010 Professor-Niklas-Medaille in Silber.
• 2012 Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft für Geschichte des Weines.

Veröffentlichungen:
Mindestens 35 Beiträge zur Weinliteratur – siehe Weinbibliographie [Schoene3]

Quellen:
Nachruf. In: Deutsches Weinbau-Jahrbuch 2014. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2013, S. 11-12.

Autor:
Prof. Dr. Hans Reinhard Seeliger, Rottenburg