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Hans-Reiner Schultz, Manfred Stoll (Hrsg.):
Deutsches Weinbau-Jahrbuch 2009.
60. Jahrgang mit Beiträgen zum Weinbau sowie zur Geschichte des Weines, mit Statistiken, Tabellen, Rebschutzmittel- und Anschriftenverzeichnis.

Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart (Hohenheim) 2008. 287 Seiten. ISBN 978-3-8001-5673-3. EUR 9,90
Weinbibliographie [Schoene 3] Nr. 25344 und andere.

Mit der 60. Jahrgangs-Ausgabe hat das Weinbau-Jahrbuch einen neuen Herausgeber. Der bisherige Herausgeber, Dr. Günter Schruft, hat die Federführung in jüngere Hände gelegt, die an der historischen Weinbau-Forschungsstätte in Geisenheim/Rheingau ihre Wirkungsstätte haben. Die neuen Herausgeber betonen im Vorwort, dass die inhaltliche, bewährte Ausrichtung beibehalten werden soll und das Deutsche Weinbaujahrbuch weiterhin Kommunikationselement für Berichte aus allen deutschsprachigen Weinbauregionen bleibt. Und nach Durchsicht der vorliegenden Ausgabe kann dies nur bestätigt werden.
Die 60. Ausgabe des Deutschen Weinbau-Jahrbuches enthält wieder sehr interessante Beiträge von Autoren aus Deutschland, aber auch aus anderen weinbautreibenden Ländern.
Über 50 Mitarbeiter haben auf 216 Seiten 28 Textbeiträge geliefert, wobei es sich bei den weinbaulichen Abhandlungen hauptsächlich um Ergebnisse von Untersuchungen und Forschungsvorhaben handelt. Sehr aktuelle Themen werden aufgegriffen, die auch jeden Weinliebhaber und Weinfreund interessieren. Weinkulturelle Themen sowie Beiträge zur Weingeschichte runden den Textteil ab.
Die Fachbeiträge beginnen mit einem Rückblick des bisherigen Herausgebers, Dr. Günter Schruft, der die Entstehungsgeschichte, die Entwicklung und Bedeutung des Druckwerkes aus allernächster Nähe miterleben konnte und schließlich ab 1995 als Mitherausgeber und ab 2003 als alleiniger Herausgeber fungierte.
Die eigentlichen Fachbeiträge behandeln ein breites Themenspektrum. So wird erstmals im Weinbau-Jahrbuch über die Weinabkommen der EU und vor allem über deren Bedeutung und Hintergründe berichtet. In einem weiteren Beitrag wird der Deutsche Wein auf dem britischen Markt unter die Lupe genommen, der viele Höhen und Tiefen durchlaufen hat und bei dem es in der Gegenwart Licht am Ende des Eurotunnels für die deutsche Weinwirtschaft gibt.
Ausführungen zur Bekämpfung von Rebkrankheiten und Rebschädlingen treten in dieser Ausgabe in den Hintergrund. Lediglich ein Artikel befasstsich mit den unbekannten Eigenschaften des Falschen Mehltaus, Plasmopara viticola, der in 2008 vielen Winzern zu schaffen machte. Größeren Raum wird den Untersuchungsergebnissen im Zusam menhang mit derHerstellung von Pfropfreben und dem Thema Selektion gewidmet.
Auch die weinbaulichen Themen stecken ein weites Feld ab, angefangen von dem in der Gegenwart aktuellen Arbeitsbereich „Minimalschnitt“ zwecks Kostenminimierung und der damit einhergehenden weiteren Arbeiten im Laufe der Vegetationsperiode. Die etwas höheren Jahres-Durchschnittstemperaturen bilden die Ausgangsbasis für die Themen Bewässerung bzw. auch Fragen der Bodenabdeckung zur Verhinderung der Verdunstung. Nicht unerwähnt darf auch der Abschluss eines 25 Jahre laufenden Stickstoffdüngungsversuchs in einem Weinberg von Schloss Vollrads bleiben, dem „wohl bestuntersuchten Weinberg der Welt“. Als Fazit stellen die Forscher fest: „Trotz der langjährig unterschiedlichen Stickstoffdüngung waren vegetativer Wuchs, Ertrag und Mostgewicht erstaunlich stabil. Mit einer moderaten N-Düngung ließen sich optimale Weinqualitäten produzieren. Die Nulldüngung barg das Risiko von Gärstockungen und restsüßen Weinen, führte jedoch nicht zu eindeutigen Qualitätseinbußen. Stickstoffgaben über 60 kg N/ha wirkten sich eher nachteilig aus. …. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass man bei den Düngegaben nicht stur an einem Zahlenwert festhalten darf, sondern die Feinabstimmung der Düngung immer im Zusammenspiel mit den Beobachtungen im Weinberg durchführen muss.“
Es folgen abschließend noch einige weingeschichtliche Themen; eines hat den Ursprung und die Domestikation der Kulturrebe zum Inhalt. Ein weiterer Beitrag befasst sich mit der Herstellung von Wein nach römischem Vorbild sowie ein dritter mit der Doppelspindelkelter oder Zweischrauben-Baumkelter von 1584.
Der Tabellenanhang liefert wichtige Daten. Neben einer Übersicht zur Ertragsrebfläche und Weinmosternte in Deutschland im Jahr 2007 bzw. der Welt in 2004 ist auch eine Liste der im Sortenregister des Bundessortenamtes aufgeführten Keltertrauben- und Unterlagsrebsorten sowie ein aktuelles Rebschutzmittelverzeichnis zu finden. Der Abschluss bildet wieder eine sehr nützliche Zusammenstellung der Weinbauorganisationen mit Anschriften.
Das preiswerte Jahrbuch empfiehlt sich aufgrund der enormen Vielfalt an Wissen und des breiten Spektrums an Themen jedem weininteressierten Leser.

Verfasser: Gerhard Stumm
Aus: Mitteilung 2/2009