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Otto Linsenmaier:
Chronik der Fellbacher Weingärtner. 150 Jahre Fellbacher Weingärtner.

Fellbacher Weingärtner e.G., Fellbach 2007. 151 Seiten.
Weinbibliographie [Schoene 3] Nr. 24918

Zu ihrem 150-jährigen Jubiläum hat die Genossenschaft der Fellbacher Weingärtner – 1858 als Weingärtner-Gesellschaft Fellbach gegründet – eine stattliche Festschrift herausgebracht, die aus der Feder unseres Ehrenmitglieds Dr. Otto Linsenmaier stammt, der lange Jahre im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium tätig und Lehrbeauftragter für Weinrecht an der Universität Hohenheim war, selbst in Fellbach wohnt und wie kein anderer die Weinbaugeschichte dieses Ortes im Remstal kennt. Das Manuskript wurde im Wesentlichen wohl schon im Jahre 2003 abgeschlossen, weshalb dieser Jahrgang der letzte in der Chronik ist, die ab 1939 jedes einzelne Jahr behandelt. Dass die eigentliche „Chronik“ das Herzstück des Buches, erst mit dem Jahre 1939 beginnt, liegt daran, dass im Jahre 1938 die Weingärtner-Gesellschaft aufgelöst wurde und es zur Gründung der Weingärtner-Genossenschaft Fellbach kam, deren Vorstandsvorsitzender der Ortsbauernführer war. „Leider gibt es für die Jahre 1931 bis 1939 nur wenig informative Unterlagen“, schreibt Linsenmaier (S. 34). Für die örtlichen Archive – das Werk stützt sich hauptsächlich auf die Aktenbestände der Genossenschaft selbst (vgl. S. 150) – mag das wohl zutreffen. Zöge man aber konsequent die damalige Presseberichterstattung hinzu und gegebenenfalls auch das, was sich in Kommunal- und Staatsarchiven erhalten hat, ließe sich die Situation höchstwahrscheinlich verbessern. Für die jüngste Geschichte der Genossenschaft aber ist das Buch materialreich und ein hervorragender Einblick in die württembergische Weinwirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit und des Wirtschaftswunders. Mit der Bemerkung, „der Jahrgang 2003 wird einen Ehrenplatz in den Annalen des Weinbaus erhalten“ (S. 90), enthält die Chronik allerdings ein kapitales, weil zu früh abgegebenes Fehlurteil. Bis 2007 war längst erkannt, dass die alkohollastigen Weine des Jahrgangs 2003 wenig haltbar waren; man war froh, als er verkauft und ausgetrunken war. Hervorzuheben ist die reiche Ausstattung mit historischen Fotos. S. 86 findet sich ein kleiner Fehler: es kann nicht sein, dass im Jahre 2000 ein 1999er Spätburgunder bei der (leider seitdem nicht wieder durchgeführten) DLG-Raritätentrophy ausgezeichnet wurde. Bei diesem Wettbewerb ging es stets um ältere Jahrgänge.

Verfasser: Hans Reinhard Seeliger
Aus: Mitteilung 2/2009