Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

Archäologie des Weinbaus
im Elsass

Archéologie Alsace


Fragen und nähere Auskünfte
bei:
Jacky.koch@archeologie.alsace

Methoden und Strukturen des Kelterns seit der Spätantike
Internationales Kolloquium 4.-6. Oktober 2019 in Châtenois (Bas-Rhin)

Seit einigen Jahren haben sich die Entdeckungen von Strukturen des Weinbaus in Nordwesteuropa vervielfacht (Frankreich, Deutschland, Schweiz, …). Die Grabungen im Presbytheriumsgarten von Châtenois im Elsass haben seit 2008 zahlreiche Aspekte enthüllt, die über die Entdeckung von spätmittelalterlichen Funden und Befunden hinausgehen: Untergeschosse zum Lagern von Fässern, Produktionsstätten, Werkzeug und Erntegeräte und selbst ein Zehntkeller, der die Fundstelle nach Süden abschließt. Diese verschiedenen Gebäude erstrecken sich im Nordosten einer Wehranlage, die der Straßburger Bischof im Laufe des 13. Jahrhunderts errichten ließ. In diesem Befundensemble vermittelt eine Baumkelter einen sehr präzisen Eindruck über die Arbeitsprozesse beim Keltern des Traubenmosts.
Diese Befunde eröffnen die Möglichkeit einen mehr oder weniger langen technischen und intellektuellen Prozess zu erforschen, der den Erfordernissen einer spezialisierten Produktion Rechnung trägt, die von Kontinuitäten aber auch von Brüchen gekennzeichnet ist. Die Baumkelter hat ihren Ursprung in der griechisch-römischen Spätantike und wurde, zumindest im Elsass, ab dem Spätmittelalter durch Spindelkeltern ersetzt. Diese Anlage kann aufgrund der Analyse des Platzes, den sie einnimmt, sowie verschiedener begleitender Befunde erfasst werden; sie lässt aber auch Rückschlüsse über die Art des produzierten Weines zu. Wie liefert die Wahl der Keltermethode dafür einen Beweis? Die Ausgrabung von Châtenois zeigt, dass die aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte im Zusammenhang mit der Produktion von Weißwein stehen. Kurz gesagt, die geographische Verbreitung und der diachrone Gebrauch der Baumkelter spiegelt das Bedürfnis nach verschiedenen Produktionsmethoden auf dem Umweg unterschiedlicher Modelle wieder. Es ist notwendig eine diachrone Sicht anzunehmen und zu einer Präsentation von Forschungsergebnissen einzuladen, die bis in die Spätantike oder selbst die Urgeschichte zurückreichen.
Der historische Kontext der Errichtung solcher Anlagen ist im Mittelalter häufig an die Existenz eines Investors (weltliche oder geistige Herrschaft) gebunden und geht mit Nutzungsrechten sowie der Erhebung von Steuern einher. In der Region von Châtenois geben Schriftquellen über die Zahl der Keltern Aufschluss sowie den spezifischen Raum, die sie beanspruchen dürfen. Gleichermaßen stellt sich jenseits der Schriftquellen die Frage der potentiellen Verbindung zwischen der technischen Entwicklung von Infrastrukturen (Art der Geräte, Auftreten von platzsparenden Spindelkeltern, …) und der Entwicklung der Soziologie dieser Investoren. Wie bildet sich die wirtschaftliche Konsolidierung der städtischen Eliten, welche das Spätmittelalter zu Lasten der älteren adeligen Eliten bestimmen, in diesem Landgut ab? Diese Aspekte kann das Partner-Kolloquium, das in Toulouse (17.-19. Oktober 2019) angekündigt ist, ansprechen.
Das Verständnis der positiven oder negativen Spuren, welche die archäologischen Zeugnisse darstellen, kann teilweise durch die mittelalterliche Ikonographie vervollständigt werden. Es ist interessant die Darstellungen zugleich durch die weltliche Sicht, die durch die Stundenbücher transportiert wird, als auch die religiöse Bildwelt anzusprechen. Tatsächlich sind die Formen und Funktionen Gegenstand zahlreicher Darstellungen mystischer Pressen. Sie sind eines der Themen der christlichen Darstellung im Frühmittelalter, wie es das Manuskript MS 308 aus Colmar zeigt. Es materialisiert die starke symbolische Belastung zusammen mit der Struktur.

Die Vorträge sollen folgende Themen behandeln (Call for Papers):
+ Problemstellung durch eine diachrone Annäherung an die Keltermethoden
+ Entbeeren, Keltern, welche Technik für welches Produkt
+ Kelter und ihre Entwicklung von der Vorgeschichte bis zur modernen Zeit in Nordwest-Europa
+ Beiträge zum Weinbau im Elsass und dem Oberrheingebiet (Nordwestschweiz, Baden-Württemberg, …) im Mittelalter und der Neuzeit.


Interdisziplinäres Symposium Meersburg
"Wein und Klima – gestern – heute – morgen"
Samstag, 6. April 2019

im Rahmen der Meersburger WeinGespräche und der Jahrestagung der GGW

Klicken um Plakat zu zeigen

Ort: vineum bodensee, Vortragssaal im Dachgeschoss, Vorburggasse 11,
88709 Meersburg

Zeit: 9 bis 15.30 Uhr

Organisation: Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V., Dr. Christine Krämer,
in Zusammenarbeit mit:
+ vineum bodensee
+ Staatsweingut Meersburg
+ Bodenseewein e.V.

Eintritt: frei

Anmeldung ist erforderlich:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Wein und Klima:

Weinbaugeschichte und Klima sind eng miteinander verzahnt. Im Rahmen dieses Symposiums sind für uns drei Aspekte besonders bedeutsam:
Die Weinrebe reagiert äußerst empfindlich auf Witterungsschwankungen. Weinlesedaten dienen Klimahistorikern daher als Klimaanzeiger und erlauben die Rekonstruktion des Klimas in früheren Jahrhunderten.
Dienen Weindaten einerseits der Klimarekonstruktion, wurden dann die Auswirkungen der klimatischen Verhältnisse auf den Weinbau untersucht. Nördlich der Alpen sind der Verbreitung der Rebe Grenzen gesetzt, die klimatisch bedingt sind. Kühlt das Klima ab, leiden die Anlagen unter Frostgefahr und die Mostqualität unter mangelnder Traubenreife. Klimaveränderungen wie die frühneuzeitliche Abkühlung wirkten sich folglich an der Grenze des lohnenden Weinbaus erheblich auf die Bewirtschaftung der Weinberge aus. Wann immer Rebflächen gerodet oder neu angelegt wurden, spielte die Erfahrung der letzten zwei Jahrzehnte eine ausschlaggebende Rolle. Das Klima hat somit einen bedeutenden Einfluss auf die Ausdehnung und den Rückgang der Weinbaufläche.
Die historische Klimatologie liefert freilich nicht nur Daten. Sie verleiht den Witterungsverhältnissen ein Gesicht. Sie zeigt auf, wie die Menschen sie erlebten und wie sich das ändernde Klima auf das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Gepräge einer Weinbauregion auswirkte. Damit liefert die Klimageschichte einen Kontext für die zukünftige Entwicklung des Weinbaus. Die Erkenntnisse sind von hoher Aktualität, gerade in einer Zeit, in der die Klimaerwärmung und die zunehmende Zahl von Extremereignissen die Weinerzeuger zwingen, nach Anpassungsstrategien zu suchen.

TagungsprogrammInfo-Plakat

Kleine Programmänderungen bleiben vorbehalten.
Die Teilnahme an dieser Veranstaltung erfolgt auf eigenes Risiko.