Münzen

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Die Gesellschaft für Geschichte des Weines e.V. besitzt eine umfangreiche Sammlung von Münzen und Medaillen mit Weinmotiven aus der Zeit der Antike bis zur Gegenwart. Sie wird von Dr. Fritz Schumann betreut und ist als Dauerleihgabe ausgestellt im

Museum für Weinkultur
Marktplatz 9 - Historisches Rathaus
67146 Deidesheim
Öffnungszeiten:  www.weinkultur-deidesheim.de   

Sammlung der Gesellschaft für Geschichte des Weines, Wiesbaden,
zusammengetragen von Dr. Ernst Emmerling und Dr. Fritz Schumann erstmals mit Unterstützung der Kreissparkasse Bad Dürkheim zu deren 150-Jahrfeier vom 1.-16. Okt. 1987 bei der Niederlassung Neustadt und vom 8.-22. Dez. 1987 bei der Hauptstelle Bad Dürkheim ausgestellt.

Dauerausstellung im Museum für Weinkultur in Deidesheim

Bei der Motivsammlung zu den Themen "Rebe und Wein" im weiteren Sinne, handelt es sich um eine offene Sammlung, die weiter wachsen und ergänzt werden soll. Ebenso wie die Reihe aus der Antike wegen ihrer Vielfalt nicht abgrenzbar ist, ermöglichen moderne Münzen und Medaillen ständig reizvolle Ergänzungen. Wer zum Schließen von Lücken beiträgt, dem sei herzlich gedankt.

Die Sammlung ist gegliedert und dargestellt nach den Motivgruppen
I. Weintrauben
II. Rebe und Weinberg
III. Weingefäße und Weinbaugeräte
IV. Weingenuß und Kultus
V. Götter, Weinheilige und ihre Begleiter
VI. Sondermünzen

Es ist verständlich, daß besonders bei den Gruppen III., V. und VI. Überschneidungen vorkommen. Häufiger vorhandene Motive sind auf verschiedene Gruppen aufgeteilt. In der Gruppe VI. Sonder­münzen sind ideell zu Rebe und Wein in Beziehung stehende Stücke enthalten, die kein direkt zuordenbares Motiv tragen. Hierzu gehören Prämiierungsmedaillen, Prägungen mit Beziehung zu großen Weinjahrgängen oder mit Hinweisen zum Weg der Weinkultur sowie eine Reihe des römischen Kaisers Markus Aurelius Probus (276-282 n. Chr.), der die Weinbaubeschränkungen des Kaisers Titus Flavius Domitian (81-96 n. Chr.) aufhob, mit seinen Soldaten zur Ausbreitung des Weinbaus beitrug und dabei ermordet wurde.

Es ist verständlich, daß die Gliederung nicht endgültig sein kann. Werden mit dem Wachsen der Sammlung einzelne Motivgruppen umfangreicher, so ist die eigene Darstellung dieser als Untergruppen möglich.

Die Sammlung ist nicht nach Zeiten gegliedert. Motiv und künstlerischer Ausdruck von 2500 Jahren "Rebe und Wein auf Münze und Medaille" sollen sich reizvoll in den Themenkreisen widerspiegeln.

Anmerkung: Bei der Darstellung waren die Veröffentlichungen von Friedrich von Bassermann-Jordan und Helfried Ehrend wertvolle Hilfen.

l. Weintrauben

Trauben allein, mit Blättern, an Trieben, zusammen mit anderen Früchten, in Schalen, Füllhörnern oder Kränzen sind häufig Themen auf Münzen und Medaillen. In der Antike waren sie allein oder mit anderen Darstellungen, wie Amphoren, Löwen oder Heroen, Zeichen für Städte, die ihre Geschichte mit Mythen um den Wein in Verbindung brachten oder deren Weinwachstum berühmt war.

Muenzen01 Auf jüdischen Münzen aus der Zeit Simon Bar-Kochbas im 2. Jh. n. Chr. waren sie religiöses Symbol, im Mittelalter relativ selten Zeichen für Städte und Wein. Später bis heute war Traube und Rebe Symbol der Fruchtbarkeit oder Sinnzeichen für ein Produkt des Landes.

Häufig war sie zusammen mit gartenbaulichen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen Schmuck auf Medaillen zur Präm­ierung besonderer Leistungen.

II. Rebe und Weinberg

Wie die Traube sind auch Rebstock und Weinberg beliebte Darstellungen. In der Antike konnten sie an deren Stelle treten und z.B. in Maronaia Hauptbild werden, weil der Heros der Stadt, Maron, Odysseus den Wein gegeben haben soll, mit dem er den Polyphem trunken machte.

Muenzen02 Besonders häufig sind Rebe und Weinberg christliches Symbol: sei es in Anlehnung an den Vergleich mit Christus: "Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben!" oder als Zeichen des Schutzes in der Gemeinschaft mit Christus.

Darüberhinaus waren Rebe und Weinberg Zeichen der Fruchtbarkeit, des Gedeihens und des Wohlergehens. Eine Rebe steht bei Jubiläen für die Familie
und die Zahl der Trauben für die Zahl der Kinder. Der sonnenbeschienene Weinberg war das Symbol für Gottes Segen oder auf Belobigungsmedaillen Ergebnis des Fleißes. Zuletzt ist die Rebe, an der eine aus den Wolken kommende Hand Trauben pflückt, Zeichen für das Ableben auf Sterbemedaillen.

III. Weingefäße und Weinbaugeräte

Während Weinbaugeräte relativ selten sind, werden Weingefäße um so häufiger dargestellt. In der Antike waren sie wie Traube, Rebe und Weinberg Hinweis auf die Geschichte der Städte, deren Symbol sie waren. Amphore, Weinkanne, Kantharos, Schöpfkelle und Opferschale treten allein oder zusammen mit anderen Weinsymbolen auf. Kanne und Schale werden mit weiterem Altargerät oder bei Opferszenen in römischer Zeit dargestellt.

Muenzen03 Dieser Brauch setzt sich fort auf jüdischen und christlichen Darstellungen. Der Kelch tritt an die Stelle von Konfirmation und Kommunion oder der christlichen Gemeinschaft.

Eine Sonderreihe sind die Medaillen für Riesenfässer, wie für das Heidelberger Faß, die zur Erinnerung an die Herstellung oder der Reparatur geschlagen wurden. Dies gilt auch für die Ratsmedaillen, die als Beleg für die Teilnahme an Sitzungen oder als Bon für einen Umtrunk ausgegeben wurden.

IV. Weingenuß und Kultus

Reizvoll verraten die schwierig darstellbaren Szenen die Trunksitten ihrer Zeit, obwohl sie häufig religiöse Hintergründe haben. Die Hochzeit von Cana ist neben Reben ein beliebtes Thema auf Ehemedaillen. Essen und Trinken im Schutz der Rebenlaube kommen vor, ebenso kann der gedeckte Tisch Dankeszeichen für das Ende einer Reihe schlechter Ernten oder einer Aufforderung zur Mäßigkeit beim Trinken sein. Das Mahl mit Wein und Brot war Hinweis auf das Passah-Fest im Alten Testament oder auf das Abendmahl mit Jesus Christus.Muenzen04

V. Götter, Weinheilige und ihre Begleiter

Auch hier beginnt die Reihe in der Antike. Das Haupt des Dionysos mit dem vor dem Rausch schützenden Efeukranz im Haar ist Zeichen für den Ort seiner Herkunft, Nysa in Kleinasien oder Theben in Boetien oder für Naxos, wo er der Legende nach mit Ariadne zusammentraf. Seltener ist das ganze Bild des Gottes, in römischer Zeit in Frauenkleidern, oder mit Preisurne und Panther. Häufiger sind seine Begleiter und Zeichen: Satyrn und Mänaden bei Liebesspielen, Silene, Marsyas mit dem Weinschlauch oder Efeublatt, Thyrsosstab und Panther. Diese Darstellungen werden bis in die Gegenwart verwendet, z.B. besonders schön auf Notgeld aus Porzellan in den 20er Jahren. Nicht so häufig werden Weinheilige dargestellt. Ortspatrone oder ihre Zeichen treten für ihre Orte ein.Muenzen05

VI. Sondermünzen

An den Weg des Weines erinnern die Münzen von Phokaia in Kleinasien, deren Bürger 600 v. Chr. die Kolonie Massilia, das heutige Marseiile, gründeten und damit Weinbau und Weinkultur in den Be­reich Mitteleuropas brachten. An diesen Vorgang erinnert eine zur 2500 Jahrfeier im Jahr 1900 geprägte Prunkmedaille.

Zu den Sondermünzen gehören auch als negative Erinnerung Münzen des römischen Kaisers Titus Flavius Domitian (81-96 n. Chr.), der aus Wettbewerbsgründen um 91 n. Chr. dem Weinbau in den römischen Provinzen Einschränkungen auferlegte. Positiv wäre die Erinnerung an einen der berühmtesten Jahrgänge der Antike, den 121er, der nach dem Konsul Opimius benannt und noch nach Jahrhunderten getrunken wurde. Im besonderen Maße aber die Erinnerung an den Kaiser Markus Aurelius Probus (276-282 n. Chr.), der die Beschränkungen Domitians wieder aufhob.Muenzen06