Metternich-Winneburg, Clemens Wenzel Lothar (1773-1859)

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METTERNICH-WINNEBURG, Clemens Wenzel Lothar, Fürst von, Dipiomat und Politiker, österreichischer Haus-, Hof- und Staatskanzler, Weingutsbesitzer * 15.5.1773 in Koblenz, † 11.6.1859 in Wien. Va: Franz Georg (1746−1818), Mu: Maria Beatrix Gräfin von Kageneck (1755−1828). verh. I. 1795 mit Maria Eleonore von Kaunitz, 7 Kinder. verh. II. 1827 mit Maria Antonia von Leykam, 1 Kind. verh. III. 1831 mit Melanie von Zichy-Ferraris, 5 Kinder.

1967 schrieb V. von der Lippe über Metternich: "Er führte den Weinbau einer neuen Blüte zu und sorgte auch für einen geordneten und gewinnbringenden Weinverkauf". Seine Familie besaß im Rheingau seit dem Mittelalter Gutshöfe in Rüdesheim, Geisenheim und Kiedrich. Ihm selbst schenkte Kaiser Franz I. von Österreich 1816 das ehemalige, um 1100 gegründete Benediktinerkloster Johannisberg (ab 1716 Fuldische Domäne Schloss Johannisberg) für seine diplomatischen Verdienste bei der Neuordnung Europas. So war Metternich Eigentümer eines der renommiertesten Weingüter geworden. Als echter Diplomat hatte er dem Kaiser die Schenkung schmackhaft gemacht mit dem Hinweis, ein Weingut könne nur florieren bei privater Bewirtschaftung und nicht durch administrative Führung über eine Distanz von 200 Stunden; dazu bot er ihm den Zehnten der jährlichen Weinernte an; das sei mehr, als der Wiener Hof verbrauche. Seine ins Einzelne gehenden Anweisungen, geprägt von intensiver Beschäftigung mit den weinbaulichen Problemen, sind für die damalige Zeit erstaunlich, vor allem, weil man sie einem Staatsmann, der praktisch Europa lenkte, nicht zutraut. Stützen konnte er sich bis 1824 auf den seit 1792 als Verwalter tätigen Benediktinerpater Karl Arnd (s. o.), der die klösterlichen Errungenschaften des Weinbaus ohne Bruch in die neue Ära überführte, und den Oberkellermeister Joh. Bapt. Heckler (s. o.), "einen der ersten Oenologen Teutschlands" (Bronner S. II). Im Einzelnen: Der Riesling, 1720 von der Abtei Fulda hier eingeführt, ist und bleibt die den Johannisberg prägende Rebsorte; die seit 1775 praktizierte Spätlese wird weiter ausgebaut und gipfelt 1858 in der ersten Eisweinlese; der Flaschenweinverkauf (Cabinet-Weine) rückt an die erste Stelle, Versteigerungen und der jeweiligen Konjunktur folgende Preisgestaltungen lehnt er ab: er wolle keine Schwankungen in sein Preisgefüge bringen. Damit eckte er beim Handel gehörig an. Als er sich später mit gutem Erfolg doch zur Versteigerung entschloss, blieben die in eigener Regie auf Flaschen gefüllten Cabinet-Weine das feste Gerüst, noch stabilisiert durch die "Lackfarben" und die Unterschrift des Kellermeisters auf dem Etikett − kontrollierte Qualität. Der Weinverkauf in alle europäischen Hauptstädte wurde mit dem Jahrgang 1822 ausgedehnt auf die Neue Welt, wovon Export-Etiketten zeugen. Dem in der Romantik aufkommenden Rheintourismus trug er 1828 Rechnung mit der Anordnung, Gäste auf der Schlossterrasse mit Flaschenwein zu bewirten − Vorwegnahme des heutigen Gutsrestaurants. Den Mitarbeitern ("Hofleute") schuf er Wohnraum und gab ihnen eine Tarifordnung, verbunden mit einem Prämiensystem. Sein Fazit, geschrieben 1847 an seine Verwaltung, stellt fest: "Man erwartet von so theuren Weinen, wie es die Johannisberger Cabinetweine sind, mit Recht, daß ihre ersteren Qualitäten alle jene Süße und Feinheit, allen den Geist concentriren, welche die Natur in die Frucht, aus welcher sie als Product hervorgehen, gelegt hat".

Literatur: Bronner, Joh. Ph.: Der Weinbau im Rheingaue. Heidelberg 1836. − Labonte, Christian und Staab, Josef: Eine Dokumentation des Rheingauer Qualitäts-Weines. Schloß Johannisberg 1966. − Von der Lippe, Viktor: Der Johannisberg im Rheingau. In: Die Bundesbank, Heft 24/1967 − Staab, Josef und Seeliger, Hans-Reinhard und Schleicher, Wolfgang: Neun Jahrhunderte Weinkultur am Rhein − Schloß Johannisberg. Mainz 2001. − Staab, Josef: Schloß Johannisberg, In: Schlösser, Landsitze und Wein im Rheingau. Eltville 1999. − Struck, Wolf-Heino: Johannisberg im Rheingau − Eine Kloster-, Dorf-, Schloß- und Weinchronik. Frankfurt/Main 1977. − Archivbestände von Schloß Johannisberg.

Autor: Sta.